Montags Impuls 13.09.2021

NADA

„Ein Pilger fragte Johannes vom Kreuz (spanischer Mystiker, 1542 – 1591) mit grossem Ernst: `Kann man Gott lieben`?  Johannes antwortete: `NADA`. Dieses Nada heisst nicht, man kann oder man kann nicht, sondern: erfahre es selber. Es nützt dir nichts, wenn ich dir eine Antwort gebe, denn die Antwort ist in dir. Die eigene Erfahrung steht über der äusseren Erklärung. Lasse dich ganz ein auf dieses NADA.

Die Antwort von Johannes auf des Pilgers Frage ist eine nicht-theologische, nicht-philosophische, keine abschliessende. NADA ist ein Wegweiser auf unserem Weg in die Tiefe. Was passiert, wenn ich einfach sitze mit diesem Wort? NADA in meinen Atem hineinnehme? Eine Tiefenerfahrung beginnt oder setzt sich fort, die Ahnung, dass das Nichts die ganze Fülle enthält.

 

NADA. Nur das.

 

 

Montags Impuls 06.09.2021

Sich etwas zu eigen machen

Alles, was Dir begegnet … nimm`s  nicht als Gegner. Heisse es willkommen! –  Das heisst nicht, dass du bei jeder Gelegenheit, die sich so ergibt, hoch erfreut sein musst. Du kannst die Situation auch zu ändern wünschen. Oder kannst dich freuen, wenn`s vorbei ist. Oder bedauern, dass es schon wieder vorbei ist. Das Gesetz der Unbeständigkeit gilt für jede Zutat:

Nimm alles, knete alles, was vor dich hinkommt, zu einem Brotteig zusammen, lass den Teig aufgehen – eine Zeit, die du ihm und dir gibst, in der du nichts weiter tun kannst, als aufgehen zu lassen – alle Zutaten arbeiten da von selber – dann kannst du dich neben den Backofen setzen und schauen, wie dein Brot im Ofen des Lebens langsam braun wird … nur sitzen, und schauen und ein- und ausatmen.

 

Sein eigenes Brot backen.                                                               

 

Montags Impuls 30.08.2021

 

„Ihr haltet euch an Benennungen und Sprüche, und diese werden euch zum Hindernis und verschleiern euch die Wahrnehmung der Wahrheit. Doch lasst nur euer unterscheidendes Denken und Suchen zur Ruhe kommen.

Vertraut dem, was gerade jetzt in euch wirkt, und es gibt nichts mehr zu suchen.“

Lin-chi  (chinesischer Zen-Meister 9.Jh.)

Lasst das unterscheidende, begriffliche Denken. Die höchste Wahrheit kann nicht in Worten ausgedrückt werden, weil sie jenseits all dessen liegt, was Sinne und Verstand zu fassen vermögen.

 

Denken und Suchen zur Ruhe kommen lassen.                 

 

Montags Impuls 23.08.2021

„Nichts Besonderes“

… ist eine Formulierung im Buddhismus. Es geht nicht darum, etwas Grossartiges zu tun oder zu erreichen übers Meditieren. `Zen, weil wir Menschen sind`  heisst ein Buch von Fumon S. Nakagawa, Zen-Meister in Eisenbuch, DE. Zen als ein Weg. In der christlichen Spiritualität sprechen wir vom „kleinen Ich-bin“, das sterben muss, damit das „grosse ICH BIN“ in uns wirksam wird.

Das Sterben, der Tod, geben uns eine neue Ausrichtung im Leben. Das sogenannte „kleine Ich“ muss, darf ruhig sterben – unsere Vorstellungen, vielleicht unsere pragmatischen Lösungen für Probleme, all unsere Erfahrungen und Konzepte, ja, alles, was wir irgendwann einmal gelernt haben: wenn wir in jedem Moment bereit sind, es zu lassen in Offenheit für das Neue in diesem Augenblick – dann stirbt etwas in uns, was bezüglich des Jetzt eine Illusion war (früher wohl seine Gültigkeit hatte) – und die Auswirkung, die Manifestation des grossen ICH BIN wird möglich.

Beim Wandern sehe ich dann einen See und nehme ihn immer noch als einen See wahr, einen Berg als einen Berg, und ein Krankenbesuch im Spital ist ein Krankenbesuch im Spital.  –  Nichts Besonderes, sollte man meinen – und doch ist Wandlung passiert. Etwas in mir ist gestorben zugunsten einer neuen Freiheit und Weite und einer neuen Sicht auf die Dinge.

Also: ich wandere weiter und sehe Berge und Seen, und ich besuche einen Kranken: Nichts Besonderes?

 


Montags Impuls 16.08.2021

Meditation ist nichts anderes, als dass wir die Verbindung zu unserem wahren Wesen aufnehmen …

und ein grosses Gefühl von Ruhe und Frieden und einen weiten Raum in unserem Herzen entdecken …

dass wir zulassen, transparent für das Licht zu werden, das immer scheint. Es ist nicht weit weg – es ist näher als nah …

Und schliesslich: Es geht nicht darum etwas zu verändern, sondern darum, nicht mehr nach etwas zu greifen  –  es geht um das Öffnen des Herzens.

 

Jack Kornfield geb. 1945, USA,  buddhistischer Lehrer und Autor vieler Schriften

 

Im stillen Sitzen üben wir das Öffnen unseres Herzens                   

 


 

10 Tipps zur Sitzmeditation

1.   Nehmen Sie sich täglich 15-25 Minuten Zeit dafür.

2.   Wählen Sie dazu einen ruhigen Ort im Haus, in der Wohnung, den Sie so beibehalten.

Ein Kissen, ein Bänkli oder ein Stuhl, eine Matte, eine leere Wand.

3.   Regelmässigkeit ist wichtig. Die Wiederholung macht uns das Ueben zur Gewohnheit.

Unser Körper und unser Geist lernen durch die eingenommene Haltung: ah, jetzt ist die Zeit der Ruhe.

4.   Der Morgen vor dem Frühstück erweist sich allgemein als günstig.

Handy beiseite legen. Kein Telefon abnehmen in dieser Zeit. Wir üben die Gegenwärtigkeit,

und diese macht auch an Sonntagen oder in den Ferien keine Pause.

5.   Geduld: die Uebung wird unseren Alltag verändern. Transformation geschieht.

6.   Im Körper zeigen sich anfangs Verspannungen, Schmerzen, oder wir beginnen, diese überhaupt wahrzunehmen.

Wir beginnen, ein „Gspüri“ für unseren Körper zu entwickeln. Mit der Zeit verschwinden diese unangenehmen Sensationen.

7.    Es können Gefühle auftreten, uns auch überschwemmen, oder wir machen spezielle Erfahrungen.

So ist es ratsam, sich durch eine/n in der Meditation erfahrene/n Lehrer/in begleiten und anleiten zu lassen.

8.    Wir können allein üben, sitzen – in der Gruppe, der Gemeinschaft, der Sangha – wird die Meditationskraft stärker erfahrbar.

Das Sitzen wird zu einem Gemeinschaftserlebnis und trägt uns.

9.    Es kann zu Krisen kommen, zu Einbrüchen bezüglich Motivation. Manchmal haben wir es mit einer

momentan unangenehmen Wirklichkeit zu tun. Da können der Wille dran zu bleiben, gute Lektüre

und die Gruppe helfen.

10.  Und last but not least: der Transfer in den Alltag. Nicht auf dem Kissen stecken bleiben. Wie setze ich

meine Erfahrung, meine Erkenntnisse in die Praxis um?

Es gibt zudem  jeden Tag immer wieder Gelegenheiten – beim Warten, bei der Kaffeepause oder beim kurzen Innehalten, bevor wir einen Anruf entgegennehmen – uns zu zentrieren und zu uns selbst zurückzukehren.

(27.07.2020  in Bearbeitung)