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Montags Impuls 15.04.2024

Die Weisheit des Augenblicks

(s. Mail vom 15.04.2024: ich habe das Mietverhältnis für unseren Raum wegen nicht mehr zu tolerierenden Mietzinserhöhungen per 31.08.2024 gekündigt)

So lasse ich erstmal alle Versuche, einen neuen Raum zu finden, gehen.

Wir verfügen nicht nur über unseren Intellekt, unsere Lebenserfahrung und unseren Willen. Diese haben uns in vielen Bereichen weit gebracht.

In der Stille, ohne jegliches Nach-denken oder Voraus-planen, kann uns aber noch eine andere Stimme erreichen, die Stimme der Intuition (intuere = hineintun, Intuition also das, was von Beginn an in uns hineingetan wurde, ja schon immer drin war). Das Hören dieser Weisheits-Stimme, manche sagen dazu Stimme des Herzens, lässt sich im stillen Sitzen üben. Und in einem Augenblick, dann, wenn wir unsere Vorstellung gelassen haben, kann sich der richtige nächste Schritt zeigen.

Ein äusseres Zeichen dafür, wie wir eine Sorge oder eine Ungewissheit gehen lassen können, ist die einfache Handbewegung:

Faust machen ( = festhalten, verkrampfen)
Faust öffnen ( = hinausfallen lassen)
            

Was ereignet sich dann?

 

Montags Impuls 01.04.2024

Ostermontag

… ein leerer Tag?

Der Arbeitsalltag winkt schon wieder oder: die freien Oster-Tage gehen nahtlos in die Frühlingsferien über.

Maria von Magdala eröffnet sich zuerst das `Geheimnis der Auferstehung`. Sie vermisste Jesus, sie trauerte um ihn. Und es war die `Grosse Trauer`. —
Im Buddhismus kennen wir die Silbe `dai`, was absolut, radikal oder im Deutschen gebräuchlich mit `Gross` wiedergegeben wird: die `Grosse Zuversicht`, den `Grossen Zweifel`. Alles `Grosse` meint bis auf die Knochen, bis ins Mark der Knochen hinein. So war Maria nicht nur ein bisschen traurig!
Erst, wenn wir etwas `Gross` erfahren, es keinen Bereich mehr in uns gibt, der nicht davon erfasst ist, kann Wandlung, `Auferstehung` (buddhistisch: Erleuchtung) geschehen.

Maria haftet in ihrem Tun noch an menschlichen Reaktionen, am Vertrauten: sie besucht das Grab. Sie tut, was sie im Moment tun muss — und findet das Grab leer. Und ihr Schmerz steigert sich noch: hat man ihren geliebten Rabbi weggebracht? Sie ist in ihrem Schmerz gefangen, sieht nicht, dass er dasteht. Sie hält den Mann für einen Gärtner und mischt Vorwurf und Hoffnung in die Frage: Hast du ihn weggebracht?

Jesus sieht sie an und nennt sie bei ihrem Namen: Maria! Und in diesem Moment erkennt sie ihn. Und will ihren menschlichen Regungen freien Lauf lassen, ihn umarmen. Aber wieder geht es anders: Nein! sagt Jesus, ich habe einen anderen Weg. Und du auch. Geh`, berichte vom leeren Grab, und dass du mich gesehen hast!

Von da an erscheint Jesus, nicht mehr an die menschlichen Dimensionen von Ort und Zeit gebunden, öfters un-vermittelt, unerklärlich für unser Alltagsbewusstsein. Auch heute, oder war das gestern? Oder wird es wieder sein?

Wandlung — und es geht nicht mehr gleich weiter.

 

Montags Impuls 25.03.2024

Palmsonntag

Hosanna, haben die Menschen am Wegrand gerufen und Palmen geschwungen, als Jesus vorbeiritt … sie meinten, jetzt sei der Moment gekommen, dass ihr König sie aus der Herrschaft der römischen Besatzung befreien würde. (Mit Palmwedeln wird noch heute z.B. an einer eritreischen Hochzeit mit einem für unsere Ohren ganz eigenem Jubelgesang das Hochzeitspaar begrüsst …). — Nun, die am Weg Stehenden haben sich getäuscht.

Der Enso, der offene Kreis, wird oft als Inbegriff von Zen gesehen:
erstarre nicht in Ehrfurcht, er könnte auch einen gut gemalten Pfannkuchen darstellen!  (nach Shôbôgenzô, Buddha-Natur)

Die Illusion muss sterben.                                                  

 

 

Montags Impuls 18.03.2024

Freude und Mit-Freude (Mudita)

Warum werden wir wohl so oft, im Alten wie im Neuen Testament der Bibel, zur Freude aufgerufen?
Offensichtlich entspricht unser natürlicher `Verweilungsgzustand` nicht dem der Freude. Wir tun meist, was getan werden muss, sind froh, wenn`s einigermassen rund läuft und zelebrieren ab und zu ein Fest: Freude herrscht!

Eine Bekannte von mir nannte uns einmal (N)eidgenossen …

Also, ja nicht zu viel und schon gar nicht voreilig Freude zeigen (freu dich nicht zu früh, Hochmut kommt vor dem Fall etc. etc.).

So wird im Neuen Testament sogar nachgedoppelt: Freut euch, und noch einmal sage ich: freut euch! — Und an anderer Stelle: Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Traurigen … eine biblische Version der buddhistischen karuna (Mitgefühl)
…..

Alle sind miteinander verbunden.

Warum sollte ich mich da nicht freuen, wenn jemand anderem etwas gelingt?
Warum sollte ich mich nicht freuen über mein eigenes Glück und dies anderen mitteilen?

Neid und Missgunst (jemandem etwas miss-gönnen gibt es, und in einem nicht zu unterschätzenden Ausmass). Sie entstehen aus unserer Erziehung und werden medial und aufgrund immer wiederkehrender Erfahrungen gefüttert. Sie gehen aus der Illusion der Getrenntheit aller Dinge (jeder für sich und Gott gegen alle) hervor. Das ist eine falsche Vorstellung!

Üben wir uns in der Freude und in der Mit-Freude.           

 

Montags Impuls 11.03.2024

Euer Leben

Alles ist euer Leben. Tag und Nacht, was immer euch begegnet ist euer Leben.
Daher sollt ihr euer Leben der Situation anpassen, die euch im Augenblick begegnet.
Verwendet eure Lebenskraft dazu, aus den Umständen, die auf euch zukommen,
eine Einheit mit eurem Leben zu gestalten und die Dinge an ihren richtigen Platz zu setzen.

Meister Dogen (1200 – 1253)

Wir haben eine Lebenskraft. Diese können wir dazu verwenden, gegen Um-stände, das, was um uns herumsteht, anzukämpfen, es weghaben zu wollen oder, koste es, was es wolle, es festzuhalten …

Abt Dogen Zenji lehrt uns, wie wir unsere Kraft heilsam einsetzen können:

Mach` eine Einheit aus dem, was dir begegnet. Aus dem, was ist, wie mit dem, was nicht ist. Baue es ein in dein Leben. Es ist nichts anderes als das Leben selbst, so, wie es sich jetzt gerade und genau dir zeigt.

Baut euer Leben  

 

Montags Impuls 04.03.2024

Geisteshaltungen

Im Buddhismus spricht man von vier geistigen Verhaltensweisen, die eingeübt werden können, und die unser Handeln prägen. Da Geist und Körper nichts voneinander Getrenntes sind — wie sollte sich das eine ohne das andere zeigen?  …  geht es um Haltungen dem Leben, den alltäglichen Begebenheiten, gegenüber.

metta
Güte: ein weiches, klar ausgerichtetes Herz

karuna
Mitgefühl: offen für mich und das, was ich als ausserhalb von mir empfinde, im Tun

mudita
Mitfreude: Freude, wo diejenigen, die anders sind, sich freuen

upekha
Gleichmut: eine Ausgeglichenheit, durch alle Geschehnisse und Emotionen hindurch

Der Alltag ist die Übung

 

           

Ausrichtung der Kräfte

Eins mit Dir
Urgrund allen Lebens,
diene ich der Menschheit,
der Erde und dem Kosmos.

Mit liebendem Herzen
setze ich mich ein
für Gerechtigkeit und Frieden in mir,
in meinen Beziehungen und in der Welt
und achte alle Dimensionen der Schöpfung.

Zum Wohle leidender Wesen
in Armut, Gewalt und Schmerz
verkörpere ich Mitgefühl
und traue der göttlichen Weisheit in mir.

Achtsam lebe ich
Ergänzung und partnerschaftliches Miteinander
von Menschen aller Geschlechter,
Religionen und Kulturen,
Technik und Natur.

Ich bin bereit,
in Verantwortung für kommende Generationen
den Weg des Erwachens zu gehen,
Glück und Mühsal des Wachsens anzunehmen
und wahrhaft liebend zu werden.

Göttlicher Urgrund,
lass mich erfahren,
dass Dein ICH BIN
mein ICH BIN ist.

 

Ethikcodex der via integralis

1.   Nicht tötend …

lebe ich im Einklang mit allem Leben. Die Haltung des Nicht-Tötens und Nicht-Schadens nehme ich in differenzierter Weise in allen meinen Handlungen ernst.

2.   Nicht stehlend …

verpflichte ich mich, nichts zu nehmen, was mir nicht gehört, den Besitz anderer zu respektieren und im Umgang mit Geld aufrichtig zu sein.

3.   Sexuelles Fehlverhalten meidend …

verpflichte ich mich, niemandem durch Sexualität zu schaden. Alle Lehrenden verpflichten sich, ihre Autorität und Position nicht für sexuelle Beziehungen auszunützen. Sexuelle Beziehungen sind mit einem Lehrer/in-Schüler/in-Verhältnis nicht vereinbar.

4.   Nicht lügend …

bewahre ich eine transparente und ehrliche Haltung gegenüber Schüler/innen, Kursteilnehmenden und Lehrenden. Grenzen in der Begleitung anderer Menschen gestehe ich mir ein und spreche Belastungen in Beziehungen an. Wir fördern und fordern uns gegenseitig in mitfühlender und respektvoller Weise.

5.   Einen klaren Geist fördernd und Drogen meidend …

pflege ich einen verantwortungsvollen Umgang mit jeglicher Art von Dingen und Aktivitäten. Dazu gehören nebst dem Umgang mit Zeit, Medien, Konsum, Besitz und Beziehungen auch der Umgang mit Drogen, Alkohol und Tabak.

6.   Nicht über Fehler anderer lästernd …

verpflichte ich mich, die Würde der Einzelnen zu respektieren, indem ich ihrer Einzigartigkeit Rechnung trage. Was ich als Fehler betrachte, ist meine Sichtweise und damit relativ. Wenn Entscheidungen gefällt werden müssen, handle ich aus der inneren Mitte und trage die Verantwortung für meine Handlungen.

7.   Auf Eigenlob verzichtend und andere nicht verunglimpfend …

stehe ich offen für meine Überzeugungen ein, ohne die Einschätzung anderer geringzuachten. Ich respektiere die Ebenbürtigkeit aller Menschen und anerkenne, dass jede und jeder nach seinen besten Fähigkeiten handelt. Ich fördere das Potential aller Menschen.

8.   Überfluss nicht eigenmächtig zurückhaltend …

bin ich mir bewusst, dass der Kreislauf des Lebens auf Geben und Nehmen basiert. Ich habe die Sorge für den natürlichen Reichtum der Schöpfung und für die Verteilung der Güter im Blick. Ich lebe nach Massgabe der Möglichkeiten grosszügig aus meiner Mitte und tue alles, was der Gerechtigkeit, der Solidarität in der Gesellschaft, dem Frieden und der Bewahrung der Schöpfung dient.

9.   Gefühle von Wut regulierend …

bin ich mir bewusst, dass Wut ein starker Ausdruck von Energie und Wissen ist und ein Potential für Veränderung und Erneuerung darstellen kann. Ich bemühe mich um einen konstruktiven Umgang mit dieser Kraft und vermeide es, andere zu verletzen oder ihnen zu schaden. Ich praktiziere Mitgefühl allem Leben gegenüber und orientiere mich an der goldenen Regel, niemandem zuzufügen, was ich nicht selber erleben möchte.

10.  Nicht über die Schätze unserer Traditionen lästernd …

würdige und ehre ich die Schlüsselfiguren, die Traditionen und die Gemeinschaften, in welchen ich verankert bin oder zu denen ich durch die Begleitung von Kontemplierenden in Beziehung stehe. Ich biete anderen Traditionen meinen Respekt und Schutz vor Verunglimpfung an.

Ich verstehe die zehnte Richtlinie als eine Zusammenfassung der neun vorhergehenden Richtlinien und als eindringlichen Wegweiser für mein Handeln.

11.  Sorgfältig mit dem mir Anvertrauten umgehend …

halte ich die Schweigepflicht ein. Alles, was ausgesprochen wurde, behandle ich vertraulich.

 

 

10 Tipps zur Sitzmeditation

1.   Nehmen Sie sich täglich 15-25 Minuten Zeit dafür.

2.   Wählen Sie dazu einen ruhigen Ort im Haus, in der Wohnung, den Sie so beibehalten. Ein Kissen, ein Bänkli oder ein Stuhl, eine Matte, eine leere Wand.

3.   Regelmässigkeit ist wichtig. Die Wiederholung macht uns das Ueben zur Gewohnheit. Körper und Geist lernen durch die eingenommene Haltung: ah, jetzt ist die Zeit der Ruhe gekommen.

4.   Der Morgen vor dem Frühstück erweist sich allgemein als günstig. Handy beiseite legen. Kein Telefon abnehmen in dieser Zeit. Wir üben die Gegenwärtigkeit,

5.   Geduld: die Uebung wird unseren Alltag verändern. Transformation geschieht.

6.   Im Körper zeigen sich anfangs Verspannungen, Schmerzen, oder wir beginnen, diese überhaupt wahrzunehmen. Wir beginnen, ein „Gspüri“ für unseren Körper zu entwickeln.

7.    Es können verschiedene Gefühle auftreten, uns auch überschwemmen, oder wir machen spezielle Erfahrungen. Ein/e erfahrene/r Lehrer/in kann da anleiten und begleiten.

8.    Wir können allein üben, sitzen – in der Gemeinschaft wird die Meditationskraft stärker. Das Sitzen wird zu einem Gemeinschaftserlebnis und trägt uns.

9.    Es kann zu Einbrüchen bezüglich Motivation kommen. Manchmal haben wir es mit einer momentan unangenehmen Wirklichkeit zu tun. Da können der Wille dran zu bleiben, gute Lektüre

und die Gruppe helfen.

10.  Und last but not least: der Transfer in den Alltag. Nicht auf dem Kissen stecken bleiben. Wie setze ich

meine Erfahrung, meine Erkenntnisse in die Praxis um?

Es gibt zudem  jeden Tag immer wieder Gelegenheiten – beim Warten, bei der Kaffeepause oder beim kurzen Innehalten, bevor wir einen Anruf entgegennehmen – uns zu zentrieren und zu uns selbst zurückzukehren.

(01.11.2021  in Bearbeitung)