Montags Impuls 29.11.2021

Advent

Es ist die Zeit des `noch nicht`. Manche Menschen denken, wär`s nur schon vorbei …

Es muss noch nicht alles geschmückt sein, der Festtagsspeisezettel darf auch reifen, wer wann und wo eingeladen wird oder eben nicht, wer wann wo feiert oder eben darauf verzichtet … Lassen wir Gott Spielraum!

Wer kommt denn da? Auf wen warten wir? ICH BIN – ist immer schon da, in Dir und in mir und in allem.

Und doch lohnt es sich, diese Adventszeit! Eine Tradition, die wir nicht einfach als Bürde weiterführen oder radikal ablehnen müssen, eine Zeit, die wir gerufen sind zu gestalten. Je mit Neuem, Unerwartetem, vielleicht schenken, vielleicht beschenkt werden …

(vorbei gehen diese Wochen ohnehin)

 

Lassen wir unsere Herzen sich vorbereiten in der Stille.           

 

Montags Impuls 22.11.2021

Kontemplation

`Die Versenkung nimmt dem menschlichen Geist Bild und Form und alle Vielheit ab. Er gelangt in eine wahrnehmende Unwissenheit seiner selbst und aller Dinge und wird in den Abgrund der ineinanderfliessenden Einheit hineingetragen, wo er Seligkeit gemäss der höchsten Wahrheit erfährt. Darüber hinaus gibt es kein Streben noch Mühen, denn Anfang und Ende sind eins geworden, und der Geist ist – sich selbst entsunken – eins mit dem Göttlichen geworden.

Heinrich Seuse, deutscher Dominikaner, Mystiker (1295 -1366)

 


Montags Impuls 15.11.2021

Der Weg des Feuerlotos

`Darin bewährt sich die Kraft der wahren Weisheit, dass man gerade mitten im Feuer der Welt den Weg des Zen ausübt. Diese Lotosblume, die aus dem Feuer erblüht, ist ewig unverwelklich.`

(Zen-Meister Yung-chia, 8.Jh.)

(der Wasserlotos wächst nur in einem stillen, unberührten Teich)

 

Sei dir deshalb stets bewusst: Aktives Handeln in der Welt und stilles Gewahrsein des Geistes behindern sich nicht und sind keine unvereinbaren Gegensätze. Nur wenn du unterscheidest zwischen weltlichem und spirituellen Leben, dann machst du zwei daraus. Mit den Worten des Zen-Meisters Lin-chi: `Wenn du das Heilige liebst und das Gewöhnliche verachtest, dümpelst du immer noch auf dem Meer der geistigen Verblendung`.

Aktives, lebendiges Zen, der wahre Zen-Weg: Unser ursprüngliches, wahres Sein, den Urzustand des Geistes mitten im Feuer der Welt zu erleben – das ist der Weg des `Feuerlotos`

aus: Die Zen-Ochsenbilder von Zensho W. Kopp

 

Stilles Gewahrsein – und aktives Handeln: kein Unterschied!               

 

 

Montags Impuls 08.11.2021

Die Falle des toten Nichts

Viele Zen-Praktizierende bemühen sich ständig, während der Zen-Meditation ihre Gedanken anzuhalten und ihren Geist gewaltsam zu unterdrücken. Sobald ablenkende Gedanken auftauchen, werden sie sofort verscheucht. Selbst die schwächsten gedanklichen Regungen werden sofort unterdrückt.

Diese falsche Art der Übung und des Verstehens stellt die grösste Falle dar, in die Zen-Praktizierende geraten können: `Die Falle des toten Nichts`. Solche Menschen sind lebende Tote. Sie werden abgestumpft, teilnahmslos, gefühllos und träge.

Zen-Meister Po-chan (17. Jh.)

 

Wir nehmen, auch in der Meditation, alles wahr, mit all unseren Sinnen,  hellklar und bewusst. Wir üben uns so in der Achtsamkeit. Ohne einzugreifen.

Achte auf das Entstehen und wieder Vergehen des Wahrgenommenen, nur das. Lass deinen Atem dabei ruhig fliesen. Die Zen-Atmung ist eine ruhige, tiefe Atmung, in den Unterbauch hinein, das Ausatmen dauert länger als das Einatmen. Zwischen dem Ausatem und dem Kommenlassen des neuen Atemzugs können wir eine Pause wahrnehmen, einen Moment der Atemleere.

 

 Wir sitzen ganz wach, im reinen Gewahrsein.       

                       

Montags Impuls 01.11.2021

Mensch, werde wesentlich,                      

denn wenn die Welt vergeht,        

so fällt der Zufall weg.                  

Das Wesen, das besteht.

 

Angelus Silesius (1624 – 1677)

 

`Mensch, werde wesentlich`,  so steht es auf einem Holzbrett am Eingang zum Gästehaus der buddhistischen Wohngemeinschaft Felsentor an der Rigi.

Heute ist an katholischen Orten ein Feiertag: Allerheiligen. Es ist zusammen mit dem morgigen Tag Allerseelen ein Totengedenktag. Noch heute besuchen Menschen besonders in dieser Zeit ihre Toten auf dem Friedhof.

Ein Buch von Frank Ostaseski heisst: Die fünf Einladungen. Was wir vom Tod lernen können, um erfüllt zu leben. (s. meditationsraum-yume.ch / Bücher)

Das WESENTLICHE,  auch Göttliche genannt, das Heile,  ist in uns. Wesentlich werden heisst in diesem Sinne, die Verbindung zu dieser Quelle wieder zulassen. Dies ist der WEG.

Es ist alles schon da. Und so vergeuden wir immer weniger unsere Zeit mit Unwesentlichem.

 

Mensch, werde wesentlich.          

                                                  

 

 

10 Tipps zur Sitzmeditation

1.   Nehmen Sie sich täglich 15-25 Minuten Zeit dafür.

2.   Wählen Sie dazu einen ruhigen Ort im Haus, in der Wohnung, den Sie so beibehalten.

Ein Kissen, ein Bänkli oder ein Stuhl, eine Matte, eine leere Wand.

3.   Regelmässigkeit ist wichtig. Die Wiederholung macht uns das Ueben zur Gewohnheit.

Unser Körper und unser Geist lernen durch die eingenommene Haltung: ah, jetzt ist die Zeit der Ruhe gekommen.

4.   Der Morgen vor dem Frühstück erweist sich allgemein als günstig.

Handy beiseite legen. Kein Telefon abnehmen in dieser Zeit. Wir üben die Gegenwärtigkeit,

und diese macht auch an Sonntagen oder in den Ferien keine Pause.

5.   Geduld: die Uebung wird unseren Alltag verändern. Transformation geschieht.

6.   Im Körper zeigen sich anfangs Verspannungen, Schmerzen, oder wir beginnen, diese überhaupt wahrzunehmen.

Wir beginnen, ein „Gspüri“ für unseren Körper zu entwickeln. Mit der Zeit verschwinden diese unangenehmen Sensationen.

7.    Es können verschiedene Gefühle auftreten, uns auch überschwemmen, oder wir machen spezielle Erfahrungen.

So ist es ratsam, sich durch eine/n in der Meditation erfahrene/n Lehrer/in begleiten und anleiten zu lassen.

8.    Wir können allein üben, sitzen – in der Gruppe, der Gemeinschaft, der Sangha wird die Meditationskraft stärker.

Das Sitzen wird zu einem Gemeinschaftserlebnis und trägt uns.

9.    Es kann zu Krisen kommen, zu Einbrüchen bezüglich Motivation. Manchmal haben wir es mit einer

momentan unangenehmen Wirklichkeit zu tun. Da können der Wille dran zu bleiben, gute Lektüre

und die Gruppe helfen.

10.  Und last but not least: der Transfer in den Alltag. Nicht auf dem Kissen stecken bleiben. Wie setze ich

meine Erfahrung, meine Erkenntnisse in die Praxis um?

Es gibt zudem  jeden Tag immer wieder Gelegenheiten – beim Warten, bei der Kaffeepause oder beim kurzen Innehalten, bevor wir einen Anruf entgegennehmen – uns zu zentrieren und zu uns selbst zurückzukehren.

(01.11.2021  in Bearbeitung)