Montags Impuls 10.05.2021

Ein – Aus

Ruhe – Lächeln

jetziger Moment – wunderbarer Moment

Thich Nhat Hanh (vietnamesischer Mönch, Zen-Meister, Dichter und engagierter Buddhist, 93 Jahre alt)

 

Worte, die wir zum Ein und Aus unseres Atems sprechen können. Wenn wir diese drei Zeilen lesen, mag uns das einfach, fast zu simpel erscheinen. Rasch ist unser urteilender Geist zur Stelle und hat vermutlich x Gründe, den jetzigen wunderbaren Moment in Frage zu stellen. Wie komme ich zur Ruhe, wenn es unruhig ist in mir oder in meinem Umfeld? Und dazu noch lächeln?

Aufbegehren, be-lächeln, darüber urteilen ist eins … und einfach damit sitzen, über Wochen, über Monate und immer wieder  wirken lassen … den Atem …

 

… und ein Lächeln wirken lassen.

 

 

Montags Impuls 03.05.2021

Stille

Sei still, und aus der Stille wird Weisheit zu dir kommen.                                             

Sei still, und die Stille wird dich in die Ganzheit deines Menschseins führen.             

Sei still, und du wirst erfahren, wer du bist,                                            

und wer all die anderen um dich herum sind.                     

Darum sei still, und die Stille selbst wird als Weisheit zu dir kommen.

Marcel Steiner

 

Sitzen wir in Stille und öffnen uns ihrer Weisheit.

 

 

Montags Impuls 26.04.2021

Was lernen wir beim Sitzen in der Stille?

Wir können Geduld lernen. Mit dem Sitzen uns für eine Handlung vor-bereiten oder ein Geschehen nach-bereiten. Wir sitzen unverkrampft, harren aus, die ganze Einheit, die wir uns vorgenommen haben. Aber es ist kein Durchbeissen und kein Ab-sitzen.

Wir wenden uns liebevoll uns selbst zu. Und was taucht da auf? Immer tiefer begegnen wir uns selber, und immer weiter wird unser Geist dabei. Es geht um nicht mehr und nicht weniger, als uns selbst besser kennen zu lernen. Auch Grenzen und Schwächen, und auch das Gelingen von Grenzerweiterungen. Plötzlich werden Dinge möglich, die früher nicht möglich waren.

Wir erwachen auf diesem Weg immer mehr aus der Illusion des Getrenntseins.

 

Das Sitzen in der Stille mache ich mir zum Geschenk.

 

 

Montags Impuls 12.04.2021       

Versenkung

Die Versenkung nimmt dem menschlichen Geist Bild und Form und alle Vielheit ab. Er gelangt in eine wahrnehmende Unwissenheit seiner selbst und aller Dinge und wird in den Abgrund der ineinanderfliessenden Einheit hineingetragen, wo er Seligkeit gemäss der höchsten Wahrheit erfährt. Darüber hinaus gibt es kein Streben noch Mühen, denn Anfang und Ende sind eins geworden, und der menschliche Geist ist – sich selbst entsunken – eins geworden mit dem göttlichen.

Heinrich Seuse (Mystiker und Dominikaner Mönch, 1295 – 1366)

„Je weniger du tust, desto mehr hast du wirklich getan.“   (Seuse)

Empfehlung: ein Video von ca. 6 Minuten Dauer illustriert das Leben des Mönchs und bringt nahe, was mystisches Verstehen ist unter: Heinrich Seuse Museum Rietberg Zürich (2012)

 

Die Versenkung  …                                     

 

 

Montags Impuls 05.04.2021

Halleluja, Jesus lebt

Halleluja lasst uns singen,

denn die Freudenzeit ist da!

Hoch in Lüften lasst erklingen,

 

was im dunklen Grab geschah!

Jesus hat den Tod bezwungen

und uns allen Sieg errungen.

Halleluja, Jesus lebt, Jesus lebt,

Jesus lebt, halleluja, Jesus lebt!

 

Drei Ausrufezeichen für den Ostermorgen! – Vielleicht erinnern Sie sich an dieses alte Osterlied. Und vielleicht erinnern sich auch einige von Ihnen an die Inbrunst, mit der wir es am Ostermorgen in der Kirche gesungen haben …

Es ist die Osterfreude, Auferstehung, Erleichterung, es-ist-gut, es ist vorbei, das Leiden, das Sterben – und der Tod hat nicht das letzte Wort.

Wann haben Sie das letzte Mal aus ganzem Herzen `halleluja` gesagt oder gar gesungen? Freude und Erleichterung – Freude wird ja erst richtig strahlend auf dem Hintergrund von Versagen, Schwierigem, Unsicherem – in ihrer ganzen Fülle gespürt?

Und sie überfliessen lassen in Dank … und wenn`s fast zu viel wird … anderen verschenken?

 

Sitzen wir als Osterhalleluja.        

 

 

Montags Impuls 29.03.2021

Ausrichtung der Kräfte

………

………

………

………

………

Göttlicher Urgrund,         

lass mich erfahren,

dass Dein ICH BIN

mein ICH BIN ist.

Dies ist der letzte Abschnitt des Textes `Ausrichtung der Kräfte`. Wir sind eins, da gibt es kein Gegenüber –  und doch dürfen wir den göttlichen Urgrund, so nennen wir das All-Seiende, duzen. Wir sind je und seit immer schon eins mit diesem Urschöpfenden. Und bitten aber um die Erfahrung, die nicht eine einmalige ist, es ist ein Erfahrungsweg, in dieses Eins-Sein immer mehr einzusinken, immer tiefer – ohne Grenzen tiefer – zu leben: Dein ICH BIN ist mein ICH BIN ist unser ICH BIN.

Wir sind in der Karwoche oder Osterwoche. Je nach Blickwinkel mehr auf Leiden, Sterben und Tod ausgerichtet, oder auf das neue Leben, die Auferstehung.

Und beide gehören zueinander!

 

Sitzen wir als ICH BIN.                                                      

 

 

Montags Impuls 22.03.2021

Ausrichtung der Kräfte

………

………

………

………

Ich bin bereit,      

in Verantwortung für kommende Generationen

den Weg des Erwachens zu gehen,

Glück und Mühsal des Wachsens anzunehmen

und wahrhaft liebend zu werden.

Im fünften Abschnitt formulieren wir aus, was sich aus den vorangegangen Zeilen ergibt, eine klare Konsequenz: Ich bin bereit. Und zwar nicht nur für mich selbst und für andere Menschen, mit denen ich jetzt auf dem Weg bin. Nein, im Hinblick auf kommende Generationen. Der Begriff der Erb-sünde ist bekannt oder heute die Erkenntnis der Epigenetik. Wir sind zwar genetisch determiniert, aber auch Gene lassen sich, über Generationen, liebevoll verändern.

Und es geht nicht um ein bestimmtes Ziel, Erleuchtung, Ansehen, Reichtum … ganz unprätentiös: ich bin bereit, den Weg zu gehen. Und da fällt schon mal ab und zu ein Erwachen, eine Erleuchtung ab.

Wir nennen, was da unterwegs geschieht, Wachsen. Und das kann äusserst glückliche Momente hervorbringen, zwischendrin aber auch definitiv mühsam sein.

Und … doch noch ein Ziel? Wahrhaft liebend zu werden, wertschätzend – mir und allem Lebenden gegenüber. Was durchaus auch Taten hervorbringen wird.

 

Sitzen wir als wahrhaft Liebende.

 

 

Montags Impuls 15.03.2021

Ausrichtung der Kräfte

………

………

………

Ich richte mich aus                                                                                                                                

auf Ergänzung und Respekt

zwischen Frauen und Männern,

Religionen und Kulturen,

Technik und Natur.

 

In diesem vierten Abschnitt finden wir die Intention des ganzen Textes ausformuliert: ich richte mich aus!

Es gibt Unterschiedliches: Frauen und Männer, verschiedene Religionen und Kulturen, und es gibt das Naturbelassene und die Technik/Elektronik. Wir verwischen die Unterschiede nicht, aber statt sich-bemächtigen, erobern, bekämpfen üben wir uns darin, das Andersartige zu erkennen, Differenzen wahrzunehmen und uns zu öffnen für die Frage: wo ist Ergänzung möglich, wo Abgrenzung nötig, und wo verdient das andere zumindest Respekt?

 

Sitzen wir mit Respekt und Wachheit für das andere und lassen uns ergänzen.                                                                       

 

 

 

Montags Impuls 08.03.2021

Ausrichtung der Kräfte

………

………

Zum Wohle leidender Wesen     

in Armut, Gewalt und Schmerz

verkörpere ich Mitgefühl und Weisheit.

 

Diese Zeilen lehnen sich stark an die buddhistische Haltung an, die gerne von `allen leidenden Wesen` spricht. Die Formulierung hier halte ich für bescheidener, aber nicht weniger deutlich. Manchmal sind wir selbst so ein leidendes Wesen. Und wir dürfen dann auch andere bitten, für uns Mitgefühl und Weisheit zu verkörpern.

Verkörpern? Das heisst erst einmal wahrnehmen, die Bereitschaft wahr sein zu lassen, was eben ist, und eine weise Haltung dazu einzunehmen. Und verkörpern heisst auch, dort nicht stehen zu bleiben sondern ins Handeln zu kommen, wo es Schritte braucht – oder bewusst ins `wu wei` zu gehen: ins Nicht-handeln. – Wie auch immer: in Weisheit.

 

Üben wir uns sitzend in Mitgefühl und Weisheit.                                               

 

 

Montags Impuls 01.03.2021

Ausrichtung der Kräfte

………

Mit liebendem Herzen     

setze ich mich ein

für Gerechtigkeit und Frieden in mir,

in meinen Beziehungen und in der Welt

und achte alle Dimensionen der Schöpfung.

 

Nicht mit Gewalt, Verbissenheit und Egoismus, sondern mit einem liebenden Herzen strebe ich an, greife aber nicht gierig danach, Gerechtigkeit und Frieden in mir aktiv zu schaffen und zugleich entstehen zu lassen. Und, es geht gar nicht anders, werden so auch meine Beziehungen, ja die ganze Welt mit auf diesen Weg genommen.

`Frieden und Gerechtigkeit`, zwei Begriffe, die beschreiben, dass ich bin, offen und immer weiter werdend, stets unterwegs, und noch immer unterwegs  …

… und manches passt mir nicht, was da so ausgeformt wird in der Schöpfung, Sichtbares und Unsichtbares, Wahrnehmbares und nicht für alle Wahrnehmbares, Hässliches und Gewalttägiges, Leiden und Dummheit …   zumindest nehme ich eine respektvolle Haltung ein gegenüber allen Manifestationen des Lebens.

 

Üben wir unser Herz in liebevollem Umgang.                                           

 

 

Montags Impuls 22.02.2021

Ausrichtung der Kräfte

Eins mit DIR, 

Urgrund allen Lebens,

diene ich der Menschheit,

der Erde und dem Kosmos.

 

Wir richten unsere Kräfte aus, am besten gleich morgens. Der Tag zieht uns mit seinen Anforderungen immer wieder in alle möglichen Richtungen. Wir streben da und dorthin, sind getrieben von Wünschen, von Gedanken und Vorstellungen, sind Einflüssen ausgesetzt und ganz verschiedenen Ansichten, werden umworben, zögern, zweifeln, sind froh über eine Lösung, sind traurig über Versagtes und scheinbar nicht Gelungenes  …

…  eins mit DIR, in der Gewissheit, wir gehören zu diesem Urgrund, wir sind dieser Urgrund selbst, alle miteinander, und haben ihn doch auch als förderndes DU zum Gegenüber  … bekommt uns die Haltung des Dienens als Antwort auf diese Gegebenheit am besten.

Ein Dienen nicht als Bediensteter, als Knecht oder Sklave – ein Dienen, das allem, auch mir selber, zugutekommt, dem Leben als Ganzes förderlich ist.

 

Spüren wir dieser Haltung des Dienens nach.        

 

                                 

Montags Impuls 15.02.2021

Ausrichtung der Kräfte

Eins mit DIR,   

Urgrund allen Lebens,

diene ich der Menschheit,

der Erde und dem Kosmos.

 

Mit liebendem Herzen       

setze ich mich ein

für Gerechtigkeit und Frieden in mir,

in meinen Beziehungen und in der Welt

und achte alle Dimensionen der Schöpfung.

 

Zum Wohle leidender Wesen                 

in Armut, Gewalt und Schmerz

verkörpere ich Mitgefühl und Weisheit.

 

Ich richte mich aus         

auf Ergänzung und Respekt

zwischen Frauen und Männern,

Religionen und Kulturen,

Technik und Natur.

 

Ich bin bereit,  

in Verantwortung für kommende Generationen

den Weg des Erwachens zu gehen,

Glück und Mühsal des Wachsens anzunehmen

und wahrhaft liebend zu werden.

 

Göttlicher Urgrund,        

lass mich erfahren,

dass Dein ICH BIN

mein ICH BIN ist.

  

Ein Basistext der Kontemplationsschule via integralis                                                                                                        

 

 

10 Tipps zur Sitzmeditation

1.   Nehmen Sie sich täglich 15-25 Minuten Zeit dafür.

2.   Wählen Sie dazu einen ruhigen Ort im Haus, in der Wohnung, den Sie so beibehalten.

Ein Kissen, ein Bänkli oder ein Stuhl, eine Matte, eine leere Wand.

3.   Regelmässigkeit ist wichtig. Die Wiederholung macht uns das Ueben zur Gewohnheit.

Unser Körper und unser Geist lernen durch die eingenommene Haltung: ah, jetzt ist die Zeit der Ruhe.

4.   Der Morgen vor dem Frühstück erweist sich allgemein als günstig.

Handy beiseite legen. Kein Telefon abnehmen in dieser Zeit. Wir üben die Gegenwärtigkeit,

und diese macht auch an Sonntagen oder in den Ferien keine Pause.

5.   Geduld: die Uebung wird unseren Alltag verändern. Transformation geschieht.

6.   Im Körper zeigen sich anfangs Verspannungen, Schmerzen, oder wir beginnen, diese überhaupt wahrzunehmen.

Wir beginnen, ein „Gspüri“ für unseren Körper zu entwickeln. Mit der Zeit verschwinden diese unangenehmen Sensationen.

7.    Es können Gefühle auftreten, uns auch überschwemmen, oder wir machen spezielle Erfahrungen.

So ist es ratsam, sich durch eine/n in der Meditation erfahrene/n Lehrer/in begleiten und anleiten zu lassen.

8.    Wir können allein üben, sitzen – in der Gruppe, der Gemeinschaft, der Sangha – wird die Meditationskraft stärker erfahrbar.

Das Sitzen wird zu einem Gemeinschaftserlebnis und trägt uns.

9.    Es kann zu Krisen kommen, zu Einbrüchen bezüglich Motivation. Manchmal haben wir es mit einer

momentan unangenehmen Wirklichkeit zu tun. Da können der Wille dran zu bleiben, gute Lektüre

und die Gruppe helfen.

10.  Und last but not least: der Transfer in den Alltag. Nicht auf dem Kissen stecken bleiben. Wie setze ich

meine Erfahrung, meine Erkenntnisse in die Praxis um?

Es gibt zudem  jeden Tag immer wieder Gelegenheiten – beim Warten, bei der Kaffeepause oder beim kurzen Innehalten, bevor wir einen Anruf entgegennehmen – uns zu zentrieren und zu uns selbst zurückzukehren.

(27.07.2020  in Bearbeitung)