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Montags Impuls 04.05.2026
Vom Geist der Freiheit
Der Geist, der nirgends verweilt, ist frei von Anhaftung und Abneigung.
Anziehende Dinge zu sehen, ohne Verlangen danach entstehen zu lassen —
das ist ein Geist, der frei ist von Anhaftung.
Unangenehme Dinge zu sehen, ohne Widerwillen dagegen zu empfinden —
das ist ein Geist, der frei ist von Abneigung.
Jenseits von Anhaftung und Abneigung erkennt der Geist die Leere aller Dinge
und ist makellos und frei.
(nach Hui Hai, chinesischer Zen-Meister des 8. Jh.)
Wo aber engagiere ich mich?
Montags Impuls 27.04.2026
Weisheit
Wenn mir gerade die Fülle zu voll wird oder die Leere zu leer …
Sei still, und die Weisheit kommt zu dir.
Die Stille macht präzises Handeln möglich. Ich folge nur noch meinem Atem ein, aus, ein … ich bin Atem. Und es genügt.
Sei still, und grössere Weisheit wird zu dir kommen.
Ich spreche innerlich bei jedem Atemzug:
«So sitze ich ein, so sitze ich aus»
Montags Impuls 20.04.2026
Kung-Fu
Der chinesische Begriff wird im Deutschen mit `Kampfkunst` übersetzt. Andere Künste waren z.B. Malerei, Kalligrafie, Blumenstecken, Fechten und das Dichten. Die Kampfkunst ist einer der Wege zur Selbsterkenntnis und zur spirituellen Entwicklung. Es geht also nicht um die sportlichen Hochleistungen per se. Wenn wir Berichte aus dem Shao-lin-Kloster (China) sehen, spielt heute der touristische Aspekt, wie auch in grossen Klöstern Japans, eine Rolle. Sinnsuchende Westler können dort für eine kürzere oder längere Zeit im harten physischen Training, ohne Natel und Kontakte nach Hause, eine Ahnung vom WEG erlangen. Ein Zugang, ohne Drogen, zu sich selbst und eigenen, im Tiefsten anstehenden, Fragen. Begleitet wird eine solche Übung durch auch deutschsprechende, dort lebende Mönche.
Das strenge Training und die Offenheit der Gäste in der ungewohnten Umgebung, befähigen zu neuen Erkenntnissen. Anleitende Mönche sehen sehr rasch an der Art, wie jemand die herausfordernden Übungen ausführt, `wo der Has` im Pfeffer liegt` und sprechen die Person darauf an.
Zur Nachhaltigkeit des Erlebten ist jeder selbst aufgerufen, vielleicht einen nötigen Schritt in seinem Leben zu machen oder sich eine*n Begleiter* in zu suchen.
Kennen wir spirituelle Disziplin?
Montags Impuls 13.04.2026
Reines Bewusstsein
Ein bewusstes Sein, ungeteilt, nicht zerrissen, kein Gewordensein, keine Biografie, keine Zukunft oder deren Ängste, kein Gefühl von Erhabenheit oder Minderwert. Rein, nicht als Gegensatz von schmutzig oder besser als … sondern, da ist kein Unterschied mehr, keine Bewegung, und doch nicht tot, nicht starr, kein Streben nach, kein Reflektieren.
Dieses reine Bewusstsein ist allem Geschaffenen, allen Ausformungen des Lebens eigen.
Ganz im Moment sein, in Wachheit und Bereitschaft – die Augen geschlossen – und dann auch mit geöffneten Augen und einem ruhenden Blick … mich nicht festlegen und nicht festlegen lassen, ungerichtet aber nicht verloren.
Wenn ich dabei verunsichert werde, suche ich meinen Atem wieder auf, ein, zwei tiefe Atemzüge – und wieder zurück ins reine Sein: ich fliehe nicht vor mir, ich bleibe nicht in einem Gedanken hängen. Die Sinne nicht ausschalten, aber sie nicht mit neuen Eindrücken bedienen.
Mit Hingabe alle Möglichkeiten offen lassen
Montags Impuls 06.04.2026
Ho`oponopono
Ein traditionelles hawaiianisches Ritual mit 4 Kernsätzen. Es geht hier nicht um kulturelle Aneignung, sondern um ein Erinnern, dass Vergebung und Versöhnung, die uns durch Tod und Auferstehung Jesu (Kar- und Osterwoche) zugesprochen sind, in anderen Kulturen andere Ausformungen finden.
- Es tut mir leid
(Erkenntnis und Übernahme von Verantwortung) - Bitte verzeihe mir
(Bitte um Vergebung) - Danke
(für Heilung und Wandlung) - Ich liebe dich
(eine neue Verbindung)
Diese Worte können wir uns selbst gegenüber aussprechen, wir können sie auf andere Personen, private Situationen oder, wer sich dazu kräftig genug fühlt, das Vertrauen in sich spürt, auch auf die ganze Welt beziehen.
Wie jedes Gebet, jedes Mantra, entfalten die Worte ihre Wirkung mit der Zeit, immer wieder neu verinnerlicht.
Ent-schuldigung
Montags Impuls 30.03.2026
Grosser Zweifel
Der Grosse Zweifel gilt als eine der Tugenden im Zen-Buddhismus. Ein Antrieb, der uns weiter zu uns selbst führt. Und in ein tieferes Verstehen und eine andere Einsicht in die Zusammenhänge des Lebens.
Es geht nicht um eine allgemeine Skepsis, um ein Misstrauen, um ein Dauer-Motzen oder um Negativismus.
Vielmehr ein Hinterfragen, eine tiefe Verunsicherung, eine Furcht vielleicht auch, eine Bangigkeit `w i e kann das gehen??`… die zum Grossen Zweifel führen, wenn wir nicht darin hängenbleiben, uns nicht darin dauer-einrichten, nicht ver-zweifeln.
Wenn wir die Sorge und Ungewissheit halten. Uns nicht vorschnell trösten lassen.
Und das Charakteristikum des `Grossen Zweifels` ist, dass vielleicht wenig später, oder erst eine Weile später, wir erkennen, d a s s und w i e es gegangen ist.
Grosse Erfüllung
Montags Impuls 23.03.2026
Frühling – Kraft
Die Natur zieht wieder ihr farbiges Kleid an, wir nennen es farbenfroh, jedes Jahr wieder. Was geschieht in uns dabei? — Erleichterung nach dem grauen Winter? Freude? Hoffnung? Bestärkung, es geht weiter?
Was macht der Kälteeinbruch diesbezüglich mit uns? — Besorgnis? Mitleid? Bedauern? Wischen wir unsere Empfindungen weg: es gibt Schlimmeres auf dieser Welt?
Frühling – Fragilität
Wo Zen und christliche Mystik sich begegnen.
Der leere Kreis: Zen-Symbol für Weite und Offenheit
Das Kreuz: Symbol unserer christlichen Wurzeln

Ausrichtung der Kräfte
Eins mit Dir
Urgrund allen Lebens,
diene ich der Menschheit,
der Erde und dem Kosmos.
Mit liebendem Herzen
setze ich mich ein
für Gerechtigkeit und Frieden in mir,
in meinen Beziehungen und in der Welt
und achte alle Dimensionen der Schöpfung.
Zum Wohle leidender Wesen
in Armut, Gewalt und Schmerz
verkörpere ich Mitgefühl
und traue der göttlichen Weisheit in mir.
Achtsam lebe ich
Ergänzung und partnerschaftliches Miteinander
von Menschen aller Geschlechter,
Religionen und Kulturen,
Technik und Natur.
Ich bin bereit,
in Verantwortung für kommende Generationen
den Weg des Erwachens zu gehen,
Glück und Mühsal des Wachsens anzunehmen
und wahrhaft liebend zu werden.
Göttlicher Urgrund,
lass mich erfahren,
dass Dein ICH BIN
mein ICH BIN ist.
Ethikcodex der via integralis
1. Nicht tötend …
lebe ich im Einklang mit allem Leben. Die Haltung des Nicht-Tötens und Nicht-Schadens nehme ich in differenzierter Weise in allen meinen Handlungen ernst.
2. Nicht stehlend …
verpflichte ich mich, nichts zu nehmen, was mir nicht gehört, den Besitz anderer zu respektieren und im Umgang mit Geld aufrichtig zu sein.
3. Sexuelles Fehlverhalten meidend …
verpflichte ich mich, niemandem durch Sexualität zu schaden. Alle Lehrenden verpflichten sich, ihre Autorität und Position nicht für sexuelle Beziehungen auszunützen. Sexuelle Beziehungen sind mit einem Lehrer/in-Schüler/in-Verhältnis nicht vereinbar.
4. Nicht lügend …
bewahre ich eine transparente und ehrliche Haltung gegenüber Schüler/innen, Kursteilnehmenden und Lehrenden. Grenzen in der Begleitung anderer Menschen gestehe ich mir ein und spreche Belastungen in Beziehungen an. Wir fördern und fordern uns gegenseitig in mitfühlender und respektvoller Weise.
5. Einen klaren Geist fördernd und Drogen meidend …
pflege ich einen verantwortungsvollen Umgang mit jeglicher Art von Dingen und Aktivitäten. Dazu gehören nebst dem Umgang mit Zeit, Medien, Konsum, Besitz und Beziehungen auch der Umgang mit Drogen, Alkohol und Tabak.
6. Nicht über Fehler anderer lästernd …
verpflichte ich mich, die Würde der Einzelnen zu respektieren, indem ich ihrer Einzigartigkeit Rechnung trage. Was ich als Fehler betrachte, ist meine Sichtweise und damit relativ. Wenn Entscheidungen gefällt werden müssen, handle ich aus der inneren Mitte und trage die Verantwortung für meine Handlungen.
7. Auf Eigenlob verzichtend und andere nicht verunglimpfend …
stehe ich offen für meine Überzeugungen ein, ohne die Einschätzung anderer geringzuachten. Ich respektiere die Ebenbürtigkeit aller Menschen und anerkenne, dass jede und jeder nach seinen besten Fähigkeiten handelt. Ich fördere das Potential aller Menschen.
8. Überfluss nicht eigenmächtig zurückhaltend …
bin ich mir bewusst, dass der Kreislauf des Lebens auf Geben und Nehmen basiert. Ich habe die Sorge für den natürlichen Reichtum der Schöpfung und für die Verteilung der Güter im Blick. Ich lebe nach Massgabe der Möglichkeiten grosszügig aus meiner Mitte und tue alles, was der Gerechtigkeit, der Solidarität in der Gesellschaft, dem Frieden und der Bewahrung der Schöpfung dient.
9. Gefühle von Wut regulierend …
bin ich mir bewusst, dass Wut ein starker Ausdruck von Energie und Wissen ist und ein Potential für Veränderung und Erneuerung darstellen kann. Ich bemühe mich um einen konstruktiven Umgang mit dieser Kraft und vermeide es, andere zu verletzen oder ihnen zu schaden. Ich praktiziere Mitgefühl allem Leben gegenüber und orientiere mich an der goldenen Regel, niemandem zuzufügen, was ich nicht selber erleben möchte.
10. Nicht über die Schätze unserer Traditionen lästernd …
würdige und ehre ich die Schlüsselfiguren, die Traditionen und die Gemeinschaften, in welchen ich verankert bin oder zu denen ich durch die Begleitung von Kontemplierenden in Beziehung stehe. Ich biete anderen Traditionen meinen Respekt und Schutz vor Verunglimpfung an.
Ich verstehe die zehnte Richtlinie als eine Zusammenfassung der neun vorhergehenden Richtlinien und als eindringlichen Wegweiser für mein Handeln.
11. Sorgfältig mit dem mir Anvertrauten umgehend …
halte ich die Schweigepflicht ein. Alles, was ausgesprochen wurde, behandle ich vertraulich.
10 Tipps zur Sitzmeditation
1. Nehmen Sie sich täglich 15-25 Minuten Zeit dafür.
2. Wählen Sie dazu einen ruhigen Ort im Haus, in der Wohnung, den Sie so beibehalten. Ein Kissen, ein Bänkli oder ein Stuhl, eine Matte, eine leere Wand.
3. Regelmässigkeit ist wichtig. Die Wiederholung macht uns das Ueben zur Gewohnheit. Körper und Geist lernen durch die eingenommene Haltung: ah, jetzt ist die Zeit der Ruhe gekommen.
4. Der Morgen vor dem Frühstück erweist sich allgemein als günstig. Handy beiseite legen. Kein Telefon abnehmen in dieser Zeit. Wir üben die Gegenwärtigkeit,
5. Geduld: die Uebung wird unseren Alltag verändern. Transformation geschieht.
6. Im Körper zeigen sich anfangs Verspannungen, Schmerzen, oder wir beginnen, diese überhaupt wahrzunehmen. Wir beginnen, ein „Gspüri“ für unseren Körper zu entwickeln.
7. Es können verschiedene Gefühle auftreten, uns auch überschwemmen, oder wir machen spezielle Erfahrungen. Ein/e erfahrene/r Lehrer/in kann da anleiten und begleiten.
8. Wir können allein üben, sitzen – in der Gemeinschaft wird die Meditationskraft stärker. Das Sitzen wird zu einem Gemeinschaftserlebnis und trägt uns.
9. Es kann zu Einbrüchen bezüglich Motivation kommen. Manchmal haben wir es mit einer momentan unangenehmen Wirklichkeit zu tun. Da können der Wille dran zu bleiben, gute Lektüre
und die Gruppe helfen.
10. Und last but not least: der Transfer in den Alltag. Nicht auf dem Kissen stecken bleiben. Wie setze ich
meine Erfahrung, meine Erkenntnisse in die Praxis um?
Es gibt zudem jeden Tag immer wieder Gelegenheiten – beim Warten, bei der Kaffeepause oder beim kurzen Innehalten, bevor wir einen Anruf entgegennehmen – uns zu zentrieren und zu uns selbst zurückzukehren.
(01.11.2021 in Bearbeitung)