Montags Impuls 19.07.2021

Wenn du frei sein willst, lerne dein wahres Selbst kennen. Es hat keine Form, kein Aussehen, keine Wurzel, keine Stütze, keine Wohnung, doch es ist lebendig und voller Spannkraft. Es reagiert mit grosser Geschmeidigkeit, doch lässt sich seine Funktion nicht räumlich festlegen. Wenn du nach ihm suchst, entfernst du dich deshalb immer weiter von ihm, und wenn du Ausschau nach ihm hältst, wendest du dich umso mehr von ihm ab.

Zen-Meister Linji  (gelebt um 800)

Aus christlicher Sicht: Gott ist ein lauter Nichts, ihn rührt kein Nun noch Hier, je mehr du nach ihm greifst, je mehr entwird er dir.

Angelus Silesius (17.Jh)

Mit „Gott“ und „wahrem Selbst“ sind Begriffe gewählt, für etwas, wofür es eigentlich kein Wort, keine Form, keinen Ausdruck gibt. Es ist nicht planbar. Es geschieht uns, wenn wir uns öffnen, vertrauensvoll, manchmal auch mutig.  Menschen, die dies erfahren haben, erahnen und in ihrem Leben vertiefen und immer mehr Gestalt werden lassen, finden wir in allen Jahrhunderten und in allen Richtungen, ob als Philosophen, Mönche und Nonnen oder aus der Spiritualität lebende sogenannte Laien.

 

Üben wir uns immer weiter ein in diese Freiheit.                     

 

Montags Impuls 12.07.2021

Gott ist ein lauter Nichts,

ihn rührt kein Nun noch Hier:

Je mehr du nach ihm greifst,

je mehr entwird er dir.

                        aus:  Der Cherubinische Wandersmann, Angelus Silesius (1624-1677)

 

Gott ist reines Nichts, Leere, er lässt sich weder im Hier noch im Jetzt verankern.  Reines Bewusstsein. Und Fülle aller Möglichkeiten. Willst du ihn fassen, in Worten, erklärbar machen, über ihn nachdenken, Theorien oder Glaubenssätze aufstellen … also danach greifen,  halten wollen, auf sicher haben … er ent-wird dir.

Wie kommen wir dem, was hier Gott genannt wird, näher?

Indem wir uns einsinken lassen in dieses reine Sein, lassen, uns in die völlige Offenheit des Augenblicks hineinfallen lassen – eine Haltung der Ergebenheit, der Demut. Und ohne danach zu greifen, wird das ICH BIN in uns werden.

 

 Sitzen wir in der Fülle des Nichts.      

 


Montags Impuls 05.07.2021

 „ Wenn wir uns annehmen, ganz annehmen und unser Herz öffnen für die Dinge, wie sie sind, werden wir in die Lage versetzt, uns innerlich im gegenwärtigen Moment niederzulassen. Das ist spirituelle Praxis. Nur in diesem Augenblick können wir das entdecken, was zeitlos ist. Nur hier können wir die Liebe finden, die wir suchen. Nur in der Wirklichkeit des gegenwärtigen Augenblicks können wir aufwachen und Frieden finden.“

aus: Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens, Jack Kornfield

 

Sich niederlassen im gegenwärtigen Moment                         

 

 

Montags Impuls 28.06.2021

Der innere Meister

Ein Lehrer-Schüler-Verhältnis finden wir in verschiedenen Religionen, in der Philosophie und in Formen der Psychotherapie. Doch unterscheiden sich die äusseren und die inhaltlichen Formen der Beziehung und Gesprächsführung voneinander.

Ein spirituelles Gespräch ist in der Regel kurz, bringt den Schüler anhand eines Koans oder Schlüsselwortes, das er, sie über längere Zeit bebrütet hat und der Lehrerin zeigt –  d.h. er, sie stellt mit seinem Körper die Lösung dieses Rätsels dar und formuliert die Bedeutung fürs eigene Leben und die Essenz der Aufgabe – und der Lehrer, die Lehrerin bestätigt diese Lösung oder gibt einen helfenden kurzen Impuls dazu.

Es geht in dieser Art Gespräche darum, den Schüler, die Schülerin immer weiter zu ermächtigen auf seinem, ihrem Weg in die Bewusstseins-Tiefe und -Weite.

Das Lehrer-Schüler-Verhältnis basiert auf Vertrauen, Einsatz, Treue und grosser Freiheit dem andern gegenüber. Es ist eine Begleitung, eine Führung, durch jemanden, der schon weiter ist auf dem Weg des Erwachens. Ähnlich einem Bergführer, dem man sich anvertraut.

Ein Lehrer, eine Lehrerin fordert, fördert, ermutigt – der Schüler prüft, was er damit anfangen kann. Es ist ein gemeinsamer Weg.

Und es ist immer mehr noch die Lebensweise, das Vorbild, des gewählten Lehrers, der Lehrerin, als die blossen Worte,  die in uns eine Resonanz erzeugen und uns leiten.

Letztendlich spiegelt diese Beziehung, die über Jahre, auch ein ganzes Leben lang, anhalten kann, die Beziehung, die wir zu unserem immer deutlicher hervortretenden inneren Meister erfahren.

 

Finde deinen Meister                   

                                                 

 

Montags Impuls 14.06.2021

„Einen kontemplativen Weg zu gehen, bedeutet, sich von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit dem ganzen Verstand dem Wirken Gottes zu überlassen. Dieses Lassen von allem, was ablenkt, ist die Grundlage unserer Übung“.

Regula Tanner (spirituelle Co-Leitung via integralis)

 

Die kontemplative Haltung, eine Haltung des Nach-innen-horchens und das Aktivsein aus der Stille heraus geschehen lassend, ist ein Weg. Es geht nicht mit einem Wochenendkurs. Es braucht die Radikalität des Dranbleibens, unter allen Umständen. Und je nach Umstand gelingt dies auch anders. Die Haltung, so klar definiert sie auch ist, geht nicht mit einem Anstreben einher, sondern mit einem Lassen. Und wiederum geht es nicht um ein Prinzip – das wäre schon wieder zu starr formuliert (z.B. das „Lola-Prinzip“ und die damit einhergehenden Versprechungen … ) –  eine Haltung hat man nicht einfach, aber wir können sie uns immer wieder neu schenken lassen, uns an-eignen und zu eigen machen, sie allmählich zu unserem Charakter werden lassen.

 

Überlassen wir uns dem Wirken Gottes.                                              

 

 

 

 

10 Tipps zur Sitzmeditation

1.   Nehmen Sie sich täglich 15-25 Minuten Zeit dafür.

2.   Wählen Sie dazu einen ruhigen Ort im Haus, in der Wohnung, den Sie so beibehalten.

Ein Kissen, ein Bänkli oder ein Stuhl, eine Matte, eine leere Wand.

3.   Regelmässigkeit ist wichtig. Die Wiederholung macht uns das Ueben zur Gewohnheit.

Unser Körper und unser Geist lernen durch die eingenommene Haltung: ah, jetzt ist die Zeit der Ruhe.

4.   Der Morgen vor dem Frühstück erweist sich allgemein als günstig.

Handy beiseite legen. Kein Telefon abnehmen in dieser Zeit. Wir üben die Gegenwärtigkeit,

und diese macht auch an Sonntagen oder in den Ferien keine Pause.

5.   Geduld: die Uebung wird unseren Alltag verändern. Transformation geschieht.

6.   Im Körper zeigen sich anfangs Verspannungen, Schmerzen, oder wir beginnen, diese überhaupt wahrzunehmen.

Wir beginnen, ein „Gspüri“ für unseren Körper zu entwickeln. Mit der Zeit verschwinden diese unangenehmen Sensationen.

7.    Es können Gefühle auftreten, uns auch überschwemmen, oder wir machen spezielle Erfahrungen.

So ist es ratsam, sich durch eine/n in der Meditation erfahrene/n Lehrer/in begleiten und anleiten zu lassen.

8.    Wir können allein üben, sitzen – in der Gruppe, der Gemeinschaft, der Sangha – wird die Meditationskraft stärker erfahrbar.

Das Sitzen wird zu einem Gemeinschaftserlebnis und trägt uns.

9.    Es kann zu Krisen kommen, zu Einbrüchen bezüglich Motivation. Manchmal haben wir es mit einer

momentan unangenehmen Wirklichkeit zu tun. Da können der Wille dran zu bleiben, gute Lektüre

und die Gruppe helfen.

10.  Und last but not least: der Transfer in den Alltag. Nicht auf dem Kissen stecken bleiben. Wie setze ich

meine Erfahrung, meine Erkenntnisse in die Praxis um?

Es gibt zudem  jeden Tag immer wieder Gelegenheiten – beim Warten, bei der Kaffeepause oder beim kurzen Innehalten, bevor wir einen Anruf entgegennehmen – uns zu zentrieren und zu uns selbst zurückzukehren.

(27.07.2020  in Bearbeitung)