29.04.2019

Versenkung

Die Versenkung nimmt dem menschlichen Geist

Bild und Form und alle Vielheit ab.

Er gelangt in eine wahrnehmende Unwissenheit

seiner selbst und aller Dinge und wird in den

Abgrund der ineinander fliessenden Einheit

hineingetragen, wo er Seligkeit gemäss der

höchsten Wahrheit erfährt.

Darüber hinaus gibt es kein Streben noch

Mühen, denn Anfang und Ende sind eins

geworden, und der Geist ist – sich selbst

entsunken – eins mit dem göttlichen geworden.

 

HEINRICH SEUSE (1295 – 1366, dt. Dominikaner, Schüler von Meister Eckehart)

 

03.12.2018

Advent

er kommt

er ist gekommen

er wird kommen

…. wenn`s nur scho ume wär….

 

Was ist Zukunft? Was Vergangenheit? Wo sind die Tage mit 35, 36, 37 Graden Hitze geblieben? – Unbeständigkeit. Illusion.

Und doch ist jetzt keine andere Zeit als die Vor Zeit auf ein glückliches Ereignis hin. Wir feiern die Geburt eines Kindes.

Advent ist die Zeit des Noch Nicht. Die erste, zweite, dritte, vierte Kerze brennt.   24 Fenster am Adventskalender. Beginnender und zunehmender Geschenk- und Feststress.

 

Wird Christus tausendmal

zu Bethlehem geboren

und nicht in dir,

du bleibst noch ewiglich verloren.

 

So formuliert ein Priester, Philosoph und Arzt und ein spirituell Erfahrener, Angelus Silesius, im 17. Jh.

„Shoshin“ wird im japanischen Buddhismus der Anfängergeist genannt. Immer, in jedem Augenblick, ist Geburt angesagt. Immer ist Vorfreude möglich auf die nächste Gelegenheit.

Und doch ist JETZT keine andere Zeit als die Adventszeit. Und wir sind gefordert umzugehen mit all den kommerziell und kulturell angebotenen Möglichkeiten.

Es geht nicht darum, diese Zeit zu füllen – es darf auch einmal leer und still sein, es geht um ein aktives Gestalten, für mich, für meine Familie oder andere Menschen. Ich darf wählen.

Und: wir dürfen auch in dieser – hektischen – Zeit immer wieder in die Frische des jetzigen Augenblicks, ins zeitlose Jetzt zurückkehren, uns sammeln und richtig orientieren.

Das  JETZT, wo nie Advent oder Weihnachten ist – oder immer.

 

 

24.09.2018

Sei still, und aus der Stille wird Weisheit zu dir kommen.

Sei still, und die Stille wird dich in die Ganzheit deines Menschseins führen.

Sei still, und du wirst erfahren, wer du bist und wer all die anderen um dich herum sind.

Darum sei still, und die Stille selbst wird als Weisheit zu dir kommen.

Sei still …    sei …                                                                                                                                                    Marcel Steiner

 

 

20.08.2018

Hingabe

Hingabe ist eine innere Haltung, ein Ja zum Augenblick. Die Hingabe ans Jetzt.

Diese im Gegensatz zum trotzigen Nein, mit mir nicht, der Negativität, des Anzweifelns, der Angst – dem Widerstand in uns.

Mit der Hingabe an den jetzigen Moment, genau so, wie er gerade ist, und dies immer wieder neu, entsteht Lebensfluss. Und unser Tun, auch ganze Projekte, erwachsen in einem anderen Licht. Plötzlich merken wir, dass wir nicht mehr mit angezogener Handbremse fahren, jederzeit bereit stop zu rufen. Oder eine Bezeichnung aus der Musik: im staccato leben, abgehackt, abgetrennt. Wir erfahren dann Lebendigkeit, Verbundenheit, ohne den Fluss ständig anhalten, die Notbremse ziehen zu wollen. Wir sind vorbereitet – und dabei hilft uns das Sitzen – uns je neuen Gegebenheiten anzupassen. Wir merken, wann wir die Gelegenheit beim Schopf packen, zupacken müssen – wann wir uns den Augenblick schenken lassen dürfen, empfangend.

Offen sein und sich immer wieder in diese Offenheit hineinüben: merken, was sich jetzt gerade zeigen will. Das heisst auch immer wieder von Plänen und Vorstellungen ablassen, bereit sein, sie sich über den Haufen werfen zu lassen.