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Montags Impuls 12.01.2026
Samu
Was für Samu häsch du gmacht?
Während der Sesshins, also längeren Meditationsperioden von einigen Tagen, wird, wie früher und heute auch in buddhistischen Klöstern, eine praktische Arbeit von 1-2 Stunden in den Tagesablauf eingebaut:
Gemüse rüsten, WCs putzen, Staubsaugen, Gartenarbeit etc.
Das ist eine Erweiterung der Meditationspraxis. Dabei steht das äussere Ergebnis der Arbeit oder die Geschwindigkeit der Ausführung nicht im Mittelpunkt, sondern die Hingabe an die jeweilige Tätigkeit in voller Präsenz und Achtsamkeit. Samu wird so zur Zen-Übung, in der das Alltägliche zum Erwachen, zu einer plötzlichen Erkenntnis, führen kann.
Die Frage ist also nicht, was habe ich alles noch zu tun, was muss ich noch erledigen — Wohnung räumen, ins Fitness gehen, einen jährlich wiederkehrenden Fragebogen zu meiner beruflichen Tätigkeit ausfüllen und, und, und — und abends: was kann abgehakt werden?
Sondern: Wie tue ich die alltäglichen Dinge, die getan werden müssen?
Wo ist mein Samu?
Montags Impuls 05.01.2026
Danke dem Kommenden
Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen.
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein.
Und nehm‘ ich den in acht,
so ist der mein,
der Jahr und Ewigkeit gemacht.
Andreas Gryphius (1616 – 1664), deutscher Dramatiker und Lyriker
Mein ist der Augenblick, diesen können wir achten, jetzt, früher, vor vielen, vielen Jahren … und immer wieder neu.
Ja zum Vergangenen
Montags Impuls 29.12.2025
Danke dem Vergangenen
Was war dieses Jahr? — Viel, sehr viel wohl bei den meisten von uns. Wir können in diesen Tagen die Fotos und Filme von 2025 ansehen, wir können bewusst nochmal unsere Tagebuchnotizen lesen … lauter Dokumente, die unserem Gedächtnis nachhelfen. Das war ja auch erst in diesem Jahr!
Danke, als eine Form des Annehmens.
Was wird nächstes Jahr sein? Da ist das Dokumentieren schon schwieriger. Wir können über Neujahr Wachs oder Zinn giessen. Wir können für die Welt in die Kristallkugel blicken lassen. Wir können Hoffnungen haben, dass etwas eintrifft oder nicht eintrifft. — Pläne? Ja, in aller Offenheit, dass es vielleicht anders kommt. Kein seichtes `es chunnt scho guet` oder `es chunnt, wie`s muess`. Tiefer verstanden sind diese Formulierungen gewürzt mit Akzeptanz:
Ja zum Kommenden
Montags Impuls 22.12.2025
Die leere Krippe
(Hier ist Platz für Deine eigenen Worte)
Fried- und freudvolle Festtage uns allen
Montags Impuls 15.12.2025
Gaudete!
So wird der 3. Adventssonntag in der katholischen Kirche genannt … freut Euch, bald wird der Retter geboren … und als Zeichen dafür, dass dieser Sonntag ein anderer ist, gibt es den Brauch, die dritte der roten Adventskranzkerzen in rosa zu halten.
Unter der aktuellen Mittellandnebeldecke oder im Flutlicht zwischen dem Zürcher HB und dem Opernhausplatz, das sich Weihnachtsbeleuchtung nennt, und in dem sich – es ist Samstag Abend — die wogende Menge, Kopf an Kopf bewegt, ich selbst einer unter diesen Köpfen, ist dieser Befehl nicht ganz einfach zu befolgen.
Ist es ein Befehl? Eine Aufforderung? Eine Erinnerung? Eine Ermunterung?
Schon in der Bibel finden wir immer wieder das `Freut euch`, `Freue dich`.
Also gehört es wohl zu uns Menschen, dass uns die Freude leicht abhandenkommt?
Freut Euch!
Montags Impuls 08.12.2025
In die Tiefe gehen
Das hören wir in jeder angeleiteten Meditation, eintauchen, sich fallen lassen …
Wenn von Tiefe die Rede ist, gibt es da auch eine Höhe, eine Weite, eine Breite? Und eigentlich i s t ja einfach alles? Wozu `in die Tiefe gehen`?
Doch diese `Bewegungsangabe` ist hilfreich, das Bild, dass wir immer tiefer einsinken, ohne irgendwo anzukommen, ohne Angst, dass wir irgendwo aufschlagen. Und ohne Angst, verloren zu gehen.
Es lässt Höhe und Weite und noch viel mehr erfahren, alles, was eben im Moment da ist.
Ohne Grund
Montags Impuls 01.12.2025
Man hört nur mit dem Herzen gut
Ein Reisender kam in ein Kloster, um dort den berühmten Meister zu hören, wie er zu seinen Schülern sprach. Nach einer Weile wandte er sich an den einen von ihnen mit den Worten: „Ich bin weit gereist, um dem Meister zuzuhören. Doch jetzt, wo ich ihn höre, finde ich seine Worte ganz gewöhnlich.“ Da riet ihm der junge Mönch: „Höre nicht auf seine Worte. Höre auf seine Botschaft.“ Er: „Und wie macht man das?“ Der Mönch: „Halte dich an einen Satz, den er sagt. Schüttle ihn dann gut durch, bis alle Wörter herausfallen. Was übrig bleibt, wird dein Herz entflammen.“
Es gibt auch heute Anlässe, bei denen wir einen Satz nehmen können, ihn gut durchschütteln, bis alle Worte herausfallen — was übrig bleibt, wird unser Herz entflammen … oder verärgern oder entrüsten oder es ungläubig zurücklassen … oder uns auf andere Gedanken bringen.
Jenseits von Worten
Wo Zen und christliche Mystik sich begegnen. Der leere Kreis: Zen-Symbol für Weite und Offenheit
Das Kreuz: Symbol unserer christlichen Wurzeln

Ausrichtung der Kräfte
Eins mit Dir
Urgrund allen Lebens,
diene ich der Menschheit,
der Erde und dem Kosmos.
Mit liebendem Herzen
setze ich mich ein
für Gerechtigkeit und Frieden in mir,
in meinen Beziehungen und in der Welt
und achte alle Dimensionen der Schöpfung.
Zum Wohle leidender Wesen
in Armut, Gewalt und Schmerz
verkörpere ich Mitgefühl
und traue der göttlichen Weisheit in mir.
Achtsam lebe ich
Ergänzung und partnerschaftliches Miteinander
von Menschen aller Geschlechter,
Religionen und Kulturen,
Technik und Natur.
Ich bin bereit,
in Verantwortung für kommende Generationen
den Weg des Erwachens zu gehen,
Glück und Mühsal des Wachsens anzunehmen
und wahrhaft liebend zu werden.
Göttlicher Urgrund,
lass mich erfahren,
dass Dein ICH BIN
mein ICH BIN ist.
Ethikcodex der via integralis
1. Nicht tötend …
lebe ich im Einklang mit allem Leben. Die Haltung des Nicht-Tötens und Nicht-Schadens nehme ich in differenzierter Weise in allen meinen Handlungen ernst.
2. Nicht stehlend …
verpflichte ich mich, nichts zu nehmen, was mir nicht gehört, den Besitz anderer zu respektieren und im Umgang mit Geld aufrichtig zu sein.
3. Sexuelles Fehlverhalten meidend …
verpflichte ich mich, niemandem durch Sexualität zu schaden. Alle Lehrenden verpflichten sich, ihre Autorität und Position nicht für sexuelle Beziehungen auszunützen. Sexuelle Beziehungen sind mit einem Lehrer/in-Schüler/in-Verhältnis nicht vereinbar.
4. Nicht lügend …
bewahre ich eine transparente und ehrliche Haltung gegenüber Schüler/innen, Kursteilnehmenden und Lehrenden. Grenzen in der Begleitung anderer Menschen gestehe ich mir ein und spreche Belastungen in Beziehungen an. Wir fördern und fordern uns gegenseitig in mitfühlender und respektvoller Weise.
5. Einen klaren Geist fördernd und Drogen meidend …
pflege ich einen verantwortungsvollen Umgang mit jeglicher Art von Dingen und Aktivitäten. Dazu gehören nebst dem Umgang mit Zeit, Medien, Konsum, Besitz und Beziehungen auch der Umgang mit Drogen, Alkohol und Tabak.
6. Nicht über Fehler anderer lästernd …
verpflichte ich mich, die Würde der Einzelnen zu respektieren, indem ich ihrer Einzigartigkeit Rechnung trage. Was ich als Fehler betrachte, ist meine Sichtweise und damit relativ. Wenn Entscheidungen gefällt werden müssen, handle ich aus der inneren Mitte und trage die Verantwortung für meine Handlungen.
7. Auf Eigenlob verzichtend und andere nicht verunglimpfend …
stehe ich offen für meine Überzeugungen ein, ohne die Einschätzung anderer geringzuachten. Ich respektiere die Ebenbürtigkeit aller Menschen und anerkenne, dass jede und jeder nach seinen besten Fähigkeiten handelt. Ich fördere das Potential aller Menschen.
8. Überfluss nicht eigenmächtig zurückhaltend …
bin ich mir bewusst, dass der Kreislauf des Lebens auf Geben und Nehmen basiert. Ich habe die Sorge für den natürlichen Reichtum der Schöpfung und für die Verteilung der Güter im Blick. Ich lebe nach Massgabe der Möglichkeiten grosszügig aus meiner Mitte und tue alles, was der Gerechtigkeit, der Solidarität in der Gesellschaft, dem Frieden und der Bewahrung der Schöpfung dient.
9. Gefühle von Wut regulierend …
bin ich mir bewusst, dass Wut ein starker Ausdruck von Energie und Wissen ist und ein Potential für Veränderung und Erneuerung darstellen kann. Ich bemühe mich um einen konstruktiven Umgang mit dieser Kraft und vermeide es, andere zu verletzen oder ihnen zu schaden. Ich praktiziere Mitgefühl allem Leben gegenüber und orientiere mich an der goldenen Regel, niemandem zuzufügen, was ich nicht selber erleben möchte.
10. Nicht über die Schätze unserer Traditionen lästernd …
würdige und ehre ich die Schlüsselfiguren, die Traditionen und die Gemeinschaften, in welchen ich verankert bin oder zu denen ich durch die Begleitung von Kontemplierenden in Beziehung stehe. Ich biete anderen Traditionen meinen Respekt und Schutz vor Verunglimpfung an.
Ich verstehe die zehnte Richtlinie als eine Zusammenfassung der neun vorhergehenden Richtlinien und als eindringlichen Wegweiser für mein Handeln.
11. Sorgfältig mit dem mir Anvertrauten umgehend …
halte ich die Schweigepflicht ein. Alles, was ausgesprochen wurde, behandle ich vertraulich.
10 Tipps zur Sitzmeditation
1. Nehmen Sie sich täglich 15-25 Minuten Zeit dafür.
2. Wählen Sie dazu einen ruhigen Ort im Haus, in der Wohnung, den Sie so beibehalten. Ein Kissen, ein Bänkli oder ein Stuhl, eine Matte, eine leere Wand.
3. Regelmässigkeit ist wichtig. Die Wiederholung macht uns das Ueben zur Gewohnheit. Körper und Geist lernen durch die eingenommene Haltung: ah, jetzt ist die Zeit der Ruhe gekommen.
4. Der Morgen vor dem Frühstück erweist sich allgemein als günstig. Handy beiseite legen. Kein Telefon abnehmen in dieser Zeit. Wir üben die Gegenwärtigkeit,
5. Geduld: die Uebung wird unseren Alltag verändern. Transformation geschieht.
6. Im Körper zeigen sich anfangs Verspannungen, Schmerzen, oder wir beginnen, diese überhaupt wahrzunehmen. Wir beginnen, ein „Gspüri“ für unseren Körper zu entwickeln.
7. Es können verschiedene Gefühle auftreten, uns auch überschwemmen, oder wir machen spezielle Erfahrungen. Ein/e erfahrene/r Lehrer/in kann da anleiten und begleiten.
8. Wir können allein üben, sitzen – in der Gemeinschaft wird die Meditationskraft stärker. Das Sitzen wird zu einem Gemeinschaftserlebnis und trägt uns.
9. Es kann zu Einbrüchen bezüglich Motivation kommen. Manchmal haben wir es mit einer momentan unangenehmen Wirklichkeit zu tun. Da können der Wille dran zu bleiben, gute Lektüre
und die Gruppe helfen.
10. Und last but not least: der Transfer in den Alltag. Nicht auf dem Kissen stecken bleiben. Wie setze ich
meine Erfahrung, meine Erkenntnisse in die Praxis um?
Es gibt zudem jeden Tag immer wieder Gelegenheiten – beim Warten, bei der Kaffeepause oder beim kurzen Innehalten, bevor wir einen Anruf entgegennehmen – uns zu zentrieren und zu uns selbst zurückzukehren.
(01.11.2021 in Bearbeitung)