Montags Impuls 14.06.2021

„Einen kontemplativen Weg zu gehen, bedeutet, sich von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit dem ganzen Verstand dem Wirken Gottes zu überlassen. Dieses Lassen von allem, was ablenkt, ist die Grundlage unserer Übung“.

Regula Tanner (spirituelle Co-Leitung via integralis)

 

Die kontemplative Haltung, eine Haltung des Nach-innen-horchens und das Aktivsein aus der Stille heraus geschehen lassend, ist ein Weg. Es geht nicht mit einem Wochenendkurs. Es braucht die Radikalität des Dranbleibens, unter allen Umständen. Und je nach Umstand gelingt dies auch anders. Die Haltung, so klar definiert sie auch ist, geht nicht mit einem Anstreben einher, sondern mit einem Lassen. Und wiederum geht es nicht um ein Prinzip – das wäre schon wieder zu starr formuliert (z.B. das „Lola-Prinzip“ und die damit einhergehenden Versprechungen … ) –  eine Haltung hat man nicht einfach, aber wir können sie uns immer wieder neu schenken lassen, uns an-eignen und zu eigen machen, sie allmählich zu unserem Charakter werden lassen.

 

Überlassen wir uns dem Wirken Gottes.                                              

 

 

Montags Impuls 07.06.2021

Die Eigenschaften eines einsamen Vogels sind fünf

Die erste, dass er zum höchsten Punkt fliegt;
die zweite, dass er sich nicht nach Gesellen sehnt, nicht einmal seiner eigenen Art;
die dritte, dass sein Schnabel gen Himmel zielt;
die vierte, dass er keine bestimmte Farbe hat;
die fünfte, dass er sehr leise singt.

Diese Eigenschaften muss auch der kontemplative Mensch haben.

Johannes vom Kreuz, spanischer Mystiker              (1542-1591)

 

Was ist das für ein komischer Vogel …?  So kann man durchaus auch von einem Menschen denken. –  Ein gewiss nicht mehr ganz zeitgemässer Ausdruck! Aber wir wissen, was damit gemeint ist.

Für wen ist der Weg der Stille der richtige? Braucht es dazu eine spezielle Begabung? Besondere Charaktereigenschaften?

Am Samstag mehr dazu ….

Lassen wir uns von der Stille ausbrüten.                                      

 

Montags Impuls 31.05.2021

Wenn dein Herz wandert oder leidet, bring es behutsam an seinen Platz zurück und versetze es sanft in die Gegenwart Gottes.

Selbst, wenn du in deinem Leben nichts getan hast, ausser dein Herz zurückzubringen und wieder in die Gegenwart Gottes zu versetzen,

obwohl es jedesmal wieder fortlief, nachdem du es zurückgeholt hast,

dann hast du dein Leben wohl erfüllt.

Franz von Sales (1567 – 1622), französischer Ordensgründer, Mystiker und Kirchenlehrer

 

Sitze, mein Herz, in der Gegenwart Gottes.     

 

 

Montags Impuls 24.05.2021

Wenn du frei sein willst, lerne dein wahres Selbst kennen. Es hat keine Form, kein Aussehen, keine Wurzel, keine Stütze, keine Wohnung, doch es ist lebendig und voller Spannkraft. Es reagiert mit grosser Geschmeidigkeit, doch lässt sich seine Funktion nicht räumlich festlegen. Wenn du nach ihm suchst, entfernst du dich deshalb immer weiter von ihm, und wenn du Ausschau nach ihm hältst, wendest du dich umso mehr von ihm ab.

Zen-Meister Linji  (gest. um 866)

 

… alles, was wir mit „Ich“ oder „die Welt“  bezeichnen, ist völlig unbeständig. Ich habe kein Selbst, ich erfahre bloss seine Auswirkungen in sich immer verändernder Weise – nur das reine Bewusstsein – und so weitet sich mein Geist immer mehr in dieses eine Bewusstsein hinein.

Das hat etwas Entlastendes!  … und das ist nicht billig gemeint. Es gibt eine Ort- und Zeitlosigkeit, eine Ruhe, die zu uns kommt, wenn wir immer tiefer  eintauchen ins selbstlose Sein.

 

Wie sitze ich ohne Selbst?

 

Montags Impuls 17.05.2021

Pfingstsequenz  (Vene Sancte Spiritus, Hymnus aus dem 12. Jh.)

Komm herab, o heiliger Geist

der die finstre Nacht zerreisst.

Strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt.

Komm, der gute Gaben gibt.

Komm, der jedes Herz erhellt.

 

Gast, der Herz und Sinn erfreut.

Köstlich Labsal in der Not.

In der Unrast schenkst du Ruh.

Hauchst in Hitze Kühlung zu.

Sendest Trost in Leid und Tod.

 

Komm, o du glückselig Licht.

Fülle Herz und Angesicht.

Dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn

kann im Menschen nichts besten,

kann nichts heil sein noch gesund.

 

Was befleckt ist, wasche rein.

Dürrem giesse Leben ein.

Heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart.

Löse, was in sich erstarrt.

Lenke, was den Weg verfehlt.

 

Gib dem Volk, das dir vertraut,

das auf deine Hilfe baut,

deine Gaben zum Geleit,

lass es in der Zeit bestehn,

deines Heils Vollendung sehn

und der Freuden Ewigkeit.

 

Der heilende Geist – als ein immanentes Prinzip. Leiden und Unzulänglichkeiten werden erkannt und benannt. Bitten an diesen Zen-Geist? Befehle? Oder sind es Aufmunterungen?

Thich Nhat Hanh soll geäussert haben: Achtsamkeit ist das Äquivalent des Heiligen Geistes, der Energie Gottes.

 

 

Montags Impuls 10.05.2021

Ein – Aus

Ruhe – Lächeln

jetziger Moment – wunderbarer Moment

Thich Nhat Hanh (vietnamesischer Mönch, Zen-Meister, Dichter und engagierter Buddhist, 93 Jahre alt)

 

Worte, die wir zum Ein und Aus unseres Atems sprechen können. Wenn wir diese drei Zeilen lesen, mag uns das einfach, fast zu simpel erscheinen. Rasch ist unser urteilender Geist zur Stelle und hat vermutlich x Gründe, den jetzigen wunderbaren Moment in Frage zu stellen. Wie komme ich zur Ruhe, wenn es unruhig ist in mir oder in meinem Umfeld? Und dazu noch lächeln?

Aufbegehren, be-lächeln, darüber urteilen ist eins … und einfach damit sitzen, über Wochen, über Monate und immer wieder  wirken lassen … den Atem …

 

… und ein Lächeln wirken lassen.

 

 

Montags Impuls 03.05.2021

Stille

Sei still, und aus der Stille wird Weisheit zu dir kommen.                                             

Sei still, und die Stille wird dich in die Ganzheit deines Menschseins führen.             

Sei still, und du wirst erfahren, wer du bist,                                            

und wer all die anderen um dich herum sind.                     

Darum sei still, und die Stille selbst wird als Weisheit zu dir kommen.

Marcel Steiner

 

Sitzen wir in Stille und öffnen uns ihrer Weisheit.

 

 

Montags Impuls 26.04.2021

Was lernen wir beim Sitzen in der Stille?

Wir können Geduld lernen. Mit dem Sitzen uns für eine Handlung vor-bereiten oder ein Geschehen nach-bereiten. Wir sitzen unverkrampft, harren aus, die ganze Einheit, die wir uns vorgenommen haben. Aber es ist kein Durchbeissen und kein Ab-sitzen.

Wir wenden uns liebevoll uns selbst zu. Und was taucht da auf? Immer tiefer begegnen wir uns selber, und immer weiter wird unser Geist dabei. Es geht um nicht mehr und nicht weniger, als uns selbst besser kennen zu lernen. Auch Grenzen und Schwächen, und auch das Gelingen von Grenzerweiterungen. Plötzlich werden Dinge möglich, die früher nicht möglich waren.

Wir erwachen auf diesem Weg immer mehr aus der Illusion des Getrenntseins.

 

Das Sitzen in der Stille mache ich mir zum Geschenk.

 

 

Montags Impuls 12.04.2021       

Versenkung

Die Versenkung nimmt dem menschlichen Geist Bild und Form und alle Vielheit ab. Er gelangt in eine wahrnehmende Unwissenheit seiner selbst und aller Dinge und wird in den Abgrund der ineinanderfliessenden Einheit hineingetragen, wo er Seligkeit gemäss der höchsten Wahrheit erfährt. Darüber hinaus gibt es kein Streben noch Mühen, denn Anfang und Ende sind eins geworden, und der menschliche Geist ist – sich selbst entsunken – eins geworden mit dem göttlichen.

Heinrich Seuse (Mystiker und Dominikaner Mönch, 1295 – 1366)

„Je weniger du tust, desto mehr hast du wirklich getan.“   (Seuse)

Empfehlung: ein Video von ca. 6 Minuten Dauer illustriert das Leben des Mönchs und bringt nahe, was mystisches Verstehen ist unter: Heinrich Seuse Museum Rietberg Zürich (2012)

 

Die Versenkung  …                                     

 


Montags Impuls 15.02.2021

Ausrichtung der Kräfte

Eins mit DIR,   

Urgrund allen Lebens,

diene ich der Menschheit,

der Erde und dem Kosmos.

 

Mit liebendem Herzen       

setze ich mich ein

für Gerechtigkeit und Frieden in mir,

in meinen Beziehungen und in der Welt

und achte alle Dimensionen der Schöpfung.

 

Zum Wohle leidender Wesen                 

in Armut, Gewalt und Schmerz

verkörpere ich Mitgefühl und Weisheit.

 

Ich richte mich aus         

auf Ergänzung und Respekt

zwischen Frauen und Männern,

Religionen und Kulturen,

Technik und Natur.

 

Ich bin bereit,  

in Verantwortung für kommende Generationen

den Weg des Erwachens zu gehen,

Glück und Mühsal des Wachsens anzunehmen

und wahrhaft liebend zu werden.

 

Göttlicher Urgrund,        

lass mich erfahren,

dass Dein ICH BIN

mein ICH BIN ist.

  

Ein Basistext der Kontemplationsschule via integralis                                                                                                        

 

 

10 Tipps zur Sitzmeditation

1.   Nehmen Sie sich täglich 15-25 Minuten Zeit dafür.

2.   Wählen Sie dazu einen ruhigen Ort im Haus, in der Wohnung, den Sie so beibehalten.

Ein Kissen, ein Bänkli oder ein Stuhl, eine Matte, eine leere Wand.

3.   Regelmässigkeit ist wichtig. Die Wiederholung macht uns das Ueben zur Gewohnheit.

Unser Körper und unser Geist lernen durch die eingenommene Haltung: ah, jetzt ist die Zeit der Ruhe.

4.   Der Morgen vor dem Frühstück erweist sich allgemein als günstig.

Handy beiseite legen. Kein Telefon abnehmen in dieser Zeit. Wir üben die Gegenwärtigkeit,

und diese macht auch an Sonntagen oder in den Ferien keine Pause.

5.   Geduld: die Uebung wird unseren Alltag verändern. Transformation geschieht.

6.   Im Körper zeigen sich anfangs Verspannungen, Schmerzen, oder wir beginnen, diese überhaupt wahrzunehmen.

Wir beginnen, ein „Gspüri“ für unseren Körper zu entwickeln. Mit der Zeit verschwinden diese unangenehmen Sensationen.

7.    Es können Gefühle auftreten, uns auch überschwemmen, oder wir machen spezielle Erfahrungen.

So ist es ratsam, sich durch eine/n in der Meditation erfahrene/n Lehrer/in begleiten und anleiten zu lassen.

8.    Wir können allein üben, sitzen – in der Gruppe, der Gemeinschaft, der Sangha – wird die Meditationskraft stärker erfahrbar.

Das Sitzen wird zu einem Gemeinschaftserlebnis und trägt uns.

9.    Es kann zu Krisen kommen, zu Einbrüchen bezüglich Motivation. Manchmal haben wir es mit einer

momentan unangenehmen Wirklichkeit zu tun. Da können der Wille dran zu bleiben, gute Lektüre

und die Gruppe helfen.

10.  Und last but not least: der Transfer in den Alltag. Nicht auf dem Kissen stecken bleiben. Wie setze ich

meine Erfahrung, meine Erkenntnisse in die Praxis um?

Es gibt zudem  jeden Tag immer wieder Gelegenheiten – beim Warten, bei der Kaffeepause oder beim kurzen Innehalten, bevor wir einen Anruf entgegennehmen – uns zu zentrieren und zu uns selbst zurückzukehren.

(27.07.2020  in Bearbeitung)