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Montags Impuls 19.10.2026
Ein Bild für die Beziehung Mensch-Gott
Ich bin das Gefäß. Gott ist das Getränk. Und Gott der Dürstende.
Dag Hammarskjöld (1905-1961, schwedischer Diplomat, Generalsekretär der Vereinten Nationen, Vermittlung im Kongo-Konflikt, Friedensnobelpreis)
H. beginnt das Gottesbild des unbegreiflich-Allmächtigen, das bislang von Kirche und Erziehung geprägt war, zu verändern. Damals, zu Beginn des 20. Jh., war dieser Ansatz trostspendend, öffnend, er näherte sich diesem fernen Gott an.
Wir dürfen einmal gemachte Erkenntnisse weiterentwickeln:
*Gott ist das Gefäß. Ich bin das Getränk. Und ich bin die Dürstende.
*Wir sind Gefäß und Getränk und Dürstende zugleich.
Und weiter vertiefend:
*Da ist keine Trennung mehr zwischen Ich-Gott-Wir. Alles ist Gefäß und Getränk und Dürstende/r.
*Immer ist jemand Gefäß, ist jemand wohltuendes Getränk, hat jemand Durst.
Wechselbeziehung
Montags Impuls 12.10.2026
Die Macht der Illusion
In alter Zeit lebte ein Mann. Als er im Hause eines Freundes im Begriff war, Reiswein zu trinken, glaubte er, im Weinbecher eine kleine Schlange zu sehen. Doch trank er den Wein. Als er danach nach Hause ging, hatte er arge Leibschmerzen. Man wandte viele Heilmittel an, doch ohne Wirkung. Als das Leben des Mannes zu Ende ging, hörte der Gastgeber von seinem Zustand und lud ihn abermals zu sich ein. Er ließ ihn auf der gleichen Stelle Platz nehmen wie beim vorigen Mal und bot ihm abermals Reiswein an; dabei sagte er ihm, dass es eine Arznei sei. Als der Kranke trinken wollte, war wieder wie beim vorigen Male eine kleine Schlange im Wein, und diesmal machte er seinen Gastgeber darauf aufmerksam. Da wies der Gastgeber auf die Decke über seinem Gast, und als der Mann aufblickte, sah er dort eine Armbrust hängen. Da wusste er, dass die Schlange, die er auch beim vorigen Mal gesehen hatte, die Spiegelung der Armbrust war. Die Blicke der beiden Männer trafen sich, und sie lachten. Gesprochen wurde nichts. Die Schmerzen des Kranken verschwanden auf der Stelle, und er wurde wieder gesund.
nach: Zen-Meister Bassui Tokusho (1327-1386)
Die Macht des Erwachens
Montags Impuls 05.10.2026
Als Form, die Nicht-Form ist, sind wir nie irgendwo anders, ob wir kommen oder gehen. (aus: Lied auf Zazen, s. website)
Die im Buddhismus gängigen Bezeichnungen `Form` und `Nicht-Form` (auch als Leere bekannt): was meinen sie eigentlich? Wo ist der Unterschied?
Schleicht sich da durch die Hintertüre ein neuer Dualismus ein?
Ob wir kommen oder gehen … ob ich arbeite oder `es chille` — ob ich in Kontakt mit Jungen bin oder mit Alten — ob mir etwas wehtut oder ob ich ausgelassen bin — ob ich in die Ferien fahre oder daheimbleibe — ob ich ausgeschlafen bin oder im Schlafmanko — ob zunehmender oder abnehmender Mond ist:
Unter dem Gesichtspunkt, dass alles das Eine ist (nicht einerlei), selbst ohne Ausformung (also Leere genannt), und zugleich der individuell und sich immer verändernde Ausdruck (Form) … und wir uns so in den Bereich der Non-dualität hineinwagen, sind WIR nie woanders und wannanders anzutreffen. Da ist keine Bewegung mehr. Wir nennen es: Einfach Sein, genauso ist es richtig.
Sollte es anders sein?
Montags Impuls 28.09.2026
Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir. Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.
Schon Angelus Silesius (dt. Lyriker des 17.Jh.) weist uns darauf hin: Himmel (Gott) ist auf der Reise nach innen zu erfahren. — Bei rechter Einkehr kann sich Himmel auch im Außen zeigen.
Eine Teilnehmende beim Sitzen in Stille am Samstag war anfangs durch Fragen beunruhigt: was ist das hier? Zen? Christliche Kontemplation? Meditation?
Es gibt viele theoretische Erörterungen dazu, wo die Unterschiede und das Gemeinsame liegen zwischen christlicher Kontemplation und Zazen. Man muss zu unterscheiden wissen.
Eine unserer Lehrerinnen, Pia Gyger, liebte den Ausspruch: wir machen kein Birchermüesli! Ich pflichte ihr da gerne bei.
Die Teilnehmerin fand selbst eine für sie im Moment gültige Antwort:
Ich sitze einfach mit dem ganzen Herzen in Stille!
Sie sass einfach so. Und erfuhr Himmel, Gott, die Essenz von allem im ruhigen Sitzen. Sie sass in einer nicht konzeptuellen Weise. — Gnade?
Himmel zu erfahren ist nicht an eine bestimmte Praxis gebunden.
Montags Impuls 21.09.2026
Ich bin
Sag nicht, dass ich morgen fortgehe, denn ich komme doch heute gerade erst an.
Betrachte es ganz tief: Jede Sekunde komme ich an –
sei es als Knospe an einem Frühlingszweig
oder als winziger Vogel zu sein mit noch zarten Flügeln,
der im neuen Nest erst singen lernt;
ich komme als Raupe im Herzen der Blume
oder als ein Juwel, verborgen im Stein.
Ich komme stets gerade erst an, um zu lachen und zu weinen,
mich zu fürchten und zu hoffen.
Der Schlag meines Herzens ist Geburt und Tod von allem, was lebt.
Ich bin die Eintagsfliege, die an der Wasseroberfläche des Flusses schlüpft.
Und ich bin auch der Vogel, der herabstürzt, um sie zu schnappen.
Ich bin der Frosch, der vergnüglich im klaren Wasser eines Teiches schwimmt.
Und ich bin die Ringelnatter, die in der Stille den Frosch verspeist.
Ich bin das Kind aus Uganda, nur Haut und Knochen,
meine Beinchen so dünn wie Bambusstöcke;
und ich bin der Waffenhändler, der todbringende Waffen nach Uganda verkauft.
Ich bin das zwölfjährige Mädchen, Flüchtling in einem kleinen Boot,
das von Piraten vergewaltigt wurde und nur noch den Tod im Ozean sucht;
ich bin auch der Pirat, mein Herz ist noch nicht fähig zu erkennen und zu lieben.
Ich bin ein Mitglied des Politbüros mit reichlich Macht in meinen Händen;
und ich bin der Mann, der seine „Blutschuld“ an sein Volk zu zahlen hat
und langsam in einem Arbeitslager stirbt.
Meine Freude ist wie der Frühling, so warm,
dass sie Blumen auf der ganzen Erde erblühen lässt.
Mein Schmerz ist wie ein Tränenstrom, so mächtig, er füllt alle vier Meere auf.
Bitte nenne mich bei meinen wahren Namen,
damit ich all mein Weinen und Lachen zugleich hören kann,
damit ich sehe, dass meine Freude und mein Schmerz eins sind.
Bitte nenne mich bei meinen wahren Namen,
damit ich erwache, damit das Tor meines Herzens von nun an offensteht –
das Tor des Mitgefühls.
Thich Nhat Hanh, vietnamesischer Mönch, engagierter Buddhist 1926-2022.
aus: Gedichte (2010)
Ein Sein
Wo Zen und christliche Mystik sich begegnen.
Der leere Kreis: Zen-Symbol für Weite und Offenheit
Das Kreuz: Symbol unserer christlichen Wurzeln

Ausrichtung der Kräfte
Eins mit Dir
Urgrund allen Lebens,
diene ich der Menschheit,
der Erde und dem Kosmos.
Mit liebendem Herzen
setze ich mich ein
für Gerechtigkeit und Frieden in mir,
in meinen Beziehungen und in der Welt
und achte alle Dimensionen der Schöpfung.
Zum Wohle leidender Wesen
in Armut, Gewalt und Schmerz
verkörpere ich Mitgefühl
und traue der göttlichen Weisheit in mir.
Achtsam lebe ich
Ergänzung und partnerschaftliches Miteinander
von Menschen aller Geschlechter,
Religionen und Kulturen,
Technik und Natur.
Ich bin bereit,
in Verantwortung für kommende Generationen
den Weg des Erwachens zu gehen,
Glück und Mühsal des Wachsens anzunehmen
und wahrhaft liebend zu werden.
Göttlicher Urgrund,
lass mich erfahren,
dass Dein ICH BIN
mein ICH BIN ist.
Lied auf Zazen
Alles Seiende ist der Natur nach Buddha,
wie Eis seiner Natur nach Wasser ist.
Getrennt vom Wasser gibt es kein Eis,
getrennt vom Seienden kein Leben des Buddha.
Wie traurig, dass die Menschen das Nahe nicht achten
und die Wahrheit in der Ferne suchen:
wie einer, der mitten im Wasser aufschreit vor Durst,
wie ein Kind aus wohlhabendem Hause,
das umherirrt unter den Armen.
Verloren auf des Unwissens dunklen Pfaden
ziehn wir durch die sechs Welten,
von dunklem Pfad zu dunklem Pfad.
Wann werden wir frei von Geburt und Tod?
O Zazen des Mahayana! Ihm sei höchstes Lob!
Mildtätigkeit, Gebote, die vielen Paramitas,
das Wiederholen des Namens Buddhas,
Zerknirschung, Übung und zahllose andere guten Werke –
alle haben ihren Ursprung darin.
Wer nur einmal Zazen versucht,
löscht zahllose vergangene Sünden.
Wo sind die dunklen Pfade geblieben?
Das reine Land ist nicht fern.
Wer nur einmal diese Wahrheit hört
und ihr dankbaren Herzens lauscht,
sie preist, sie verehrt,
erlangt Segnungen ohne Ende.
Jene aber, die sich nach innen wenden
und die Selbst-Natur bezeugen –
die Selbst-Natur, die eine Nicht-Natur ist –
geh`n über blosse Lehren weit hinaus.
Das Tor der Einheit von Ursache und Wirkung öffnet sich.
Der Weg, der weder zwei noch drei ist, führt geradeaus.
Als Form, die Nicht-Form ist, sind wir nie irgendwo anders,
ob wir kommen oder gehen.
Als Gedanke, der Nicht-Gedanke ist,
sind selbst Gesang und Tanz die Stimme des Dharma.
Wie grenzenlos frei der Himmel des Samadhi!
Wie hell der volle Mond der vierfachen Weisheit!
Fehlt noch etwas in diesem Augenblick?
Nirvana vor unseren Augen. Das Lotusland an diesem Ort.
Dieser Leib das Leben des Buddha.
Hakuin (1686-1769, japanischer Zen-Meister)
Die Zen-Gebote
1. Kein Töten
lebe ich im Einklang mit allem Leben. Die Haltung des Nicht-Tötens und Nicht-Schadens nehme ich in differenzierter Weise in allen meinen Handlungen ernst.
2. Kein Stehlen
verpflichte ich mich, nichts zu nehmen, was mir nicht gehört, den Besitz anderer zu respektieren und im Umgang mit Geld aufrichtig zu sein.
3. Kein missbräuchlicher Sex
verpflichte ich mich, niemandem durch Sexualität zu schaden. Alle Lehrenden verpflichten sich, ihre Autorität und Position nicht für sexuelle Beziehungen auszunützen. Sexuelle Beziehungen sind mit einem Lehrer/in-Schüler/in-Verhältnis nicht vereinbar.
4. Kein Lügen
bewahre ich eine transparente und ehrliche Haltung gegenüber Schüler/innen, Kursteilnehmenden und Lehrenden. Grenzen in der Begleitung anderer Menschen gestehe ich mir ein und spreche Belastungen in Beziehungen an. Wir fördern und fordern uns gegenseitig in mitfühlender und respektvoller Weise.
5. Kein Missbrauch von Rauschmitteln
pflege ich einen verantwortungsvollen Umgang mit jeglicher Art von Dingen und Aktivitäten. Dazu gehören nebst dem Umgang mit Zeit, Medien, Konsum, Besitz und Beziehungen auch der Umgang mit Drogen, Alkohol und Tabak.
6. Kein Sprechen über Irrtümer und Fehler anderer
verpflichte ich mich, die Würde der Einzelnen zu respektieren, indem ich ihrer Einzigartigkeit Rechnung trage. Was ich als Fehler betrachte, ist meine Sichtweise und damit relativ. Wenn Entscheidungen gefällt werden müssen, handle ich aus der inneren Mitte und trage die Verantwortung für meine Handlungen.
7. Keine Überheblichkeit und kein Beschuldigen anderer
stehe ich offen für meine Überzeugungen ein, ohne die Einschätzung anderer geringzuachten. Ich respektiere die Ebenbürtigkeit aller Menschen und anerkenne, dass jede und jeder nach seinen besten Fähigkeiten handelt. Ich fördere das Potential aller Menschen.
8. Kein Geizig-Sein
bin ich mir bewusst, dass der Kreislauf des Lebens auf Geben und Nehmen basiert. Ich habe die Sorge für den natürlichen Reichtum der Schöpfung und für die Verteilung der Güter im Blick. Ich lebe nach Massgabe der Möglichkeiten grosszügig aus meiner Mitte und tue alles, was der Gerechtigkeit, der Solidarität in der Gesellschaft, dem Frieden und der Bewahrung der Schöpfung dient.
9. Kein Wütend-Sein
bin ich mir bewusst, dass Wut ein starker Ausdruck von Energie und Wissen ist und ein Potential für Veränderung und Erneuerung darstellen kann. Ich bemühe mich um einen konstruktiven Umgang mit dieser Kraft und vermeide es, andere zu verletzen oder ihnen zu schaden. Ich praktiziere Mitgefühl allem Leben gegenüber und orientiere mich an der goldenen Regel, niemandem zuzufügen, was ich nicht selber erleben möchte.
10. Keine Missbrauch der Drei Kostbarkeiten
würdige und ehre ich die Schlüsselfiguren, die Traditionen und die Gemeinschaften, in welchen ich verankert bin oder zu denen ich durch die Begleitung von Kontemplierenden in Beziehung stehe. Ich biete anderen Traditionen meinen Respekt und Schutz vor Verunglimpfung an.
10 Tipps zur Sitzmeditation
1. Nehmen Sie sich täglich 15-25 Minuten Zeit dafür.
2. Wählen Sie dazu einen ruhigen Ort im Haus, in der Wohnung, den Sie so beibehalten. Ein Kissen, ein Bänkli oder ein Stuhl, eine Matte, eine leere Wand.
3. Regelmässigkeit ist wichtig. Die Wiederholung macht uns das Ueben zur Gewohnheit. Körper und Geist lernen durch die eingenommene Haltung: ah, jetzt ist die Zeit der Ruhe gekommen.
4. Der Morgen vor dem Frühstück erweist sich allgemein als günstig. Handy beiseite legen. Kein Telefon abnehmen in dieser Zeit. Wir üben die Gegenwärtigkeit,
5. Geduld: die Uebung wird unseren Alltag verändern. Transformation geschieht.
6. Im Körper zeigen sich anfangs Verspannungen, Schmerzen, oder wir beginnen, diese überhaupt wahrzunehmen. Wir beginnen, ein „Gspüri“ für unseren Körper zu entwickeln.
7. Es können verschiedene Gefühle auftreten, uns auch überschwemmen, oder wir machen spezielle Erfahrungen. Ein/e erfahrene/r Lehrer/in kann da anleiten und begleiten.
8. Wir können allein üben, sitzen – in der Gemeinschaft wird die Meditationskraft stärker. Das Sitzen wird zu einem Gemeinschaftserlebnis und trägt uns.
9. Es kann zu Einbrüchen bezüglich Motivation kommen. Manchmal haben wir es mit einer momentan unangenehmen Wirklichkeit zu tun. Da können der Wille dran zu bleiben, gute Lektüre und die Gruppe helfen.
10. Und last but not least: der Transfer in den Alltag. Nicht auf dem Kissen stecken bleiben. Wie setze ich meine Erfahrung, meine Erkenntnisse in die Praxis um?
Es gibt zudem jeden Tag immer wieder Gelegenheiten – beim Warten, bei der Kaffeepause oder beim kurzen Innehalten, bevor wir einen Anruf entgegennehmen – uns zu zentrieren und zu uns selbst zurückzukehren.