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Montags Impuls 02.02.2026
Tauchgang
Geh`in deinen eigenen Grund, denn inwendig, im Innersten deiner Seele, da ist dein Leben, und da alleine lebst du.
Meister Eckehart (ca. 1260 – 1328, Dominikanermönch und Philosoph)
In der Meditation nehmen wir gerne das Bild vom Einsinken, Sich-fallen-lassen oder vom Eintauchen … in die Stille.
Erinnert Ihr Euch, wie es in der Badi war? Wir lernten schwimmen, wir machten die Erfahrung, dass uns das Wasser trägt. Habt Ihr auch ausprobiert, wie es ist, wenn man unter Wasser immer mehr Luft ausbläst? Wie dann der Körper langsam absinkt?
So sinken wir beim stillen Sitzen tiefer, nehmen auftauchende Gedanken, Gefühle und Befindlichkeiten wahr, und ausatmend kommt immer tiefere Stille zu uns. Allein oder, kraftvoller noch, in Gemeinschaft.
Wir tauchen nicht aktiv nach Muscheln, Perlen oder Korallen. Aber es wird sich uns das zeigen, wofür es gerade Zeit ist. Und aus dieser Stille werden wir in das Tun geführt, wozu jetzt die Zeit drängt.
Ohne Erwartung
Montags Impuls 26.01.2026
Das Indra-Netz – eine Metapher …

Als Indra, eine uralte indische Gottheit, die Welt gestaltete, machte er sie als Netz, und an jeden Knoten band er einen Edelstein: Alles, was existiert oder jemals existiert hat oder existieren wird, jede Idee, jedes Ereignis, jede Person, einfach alles Geschaffene … ist ein Edelstein in Indras Netz.
Nicht nur ist jeder Edelstein durch das Netz, an dem er hängt, mit jedem anderen Edelstein verbunden, sondern auf der Oberfläche jedes Edelsteins spiegelt sich auch jeder andere.
Jeder Edelstein mit seiner eigenen Qualität.
… für die Verbundenheit von allem mit allem
Montags Impuls 19.01.2026
Ein wenig anders
nichts hat sich geändert,
und doch ist in meinem Herzen
alles ein wenig anders
Rengetsu, 1791 – 1875, Tochter einer Kurtisane, zweimal verheiratet, 4 Kinder, nach dem Tod beider Ehemänner Eintritt in ein buddhistisches Kloster, Kalligrafin, Malerin, Poetin, Töpferin
Dieses Gedicht der japanischen Dichterin Rengetsu wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Keine großen Versprechen, keine Abrechnung mit der Vergangenheit. Doch gerade darin liegt seine Kraft. Leise geht das neue Jahr vorüber. Kaum wahrnehmbar, beinahe unbemerkt vergeht die Zeit. „Nichts hat sich geändert“, stellt Rengetsu nüchtern fest. Äußerlich scheint alles gleich zu bleiben. Der Alltag setzt sich fort.Dann der stille Wendepunkt: „Und doch ist in meinem Herzen alles ein wenig anders“. Es ist eine kleine, kaum bemerkbare Verschiebung. Eine andere Weise zu sehen, zu spüren. Die Veränderung, die hier gemeint ist, geschieht nicht durch Anstrengung, sondern durch vertieftes Wahrnehmen, durch Aufmerksamkeit. Die Welt ist keine andere geworden. Wir begegnen ihr anders – bewusster. Es ist ein anderes Sein in der Welt.
Text von Fernand Braun Kontemplations-Lehrer der Linie „Wolke des Nichtwissens“, Mitglied der Leitung am Benediktushof, DE
Hat sich etwas verändert?
Montags Impuls 12.01.2026
Samu
Was für Samu häsch du gmacht?
Während der Sesshins, also längeren Meditationsperioden von einigen Tagen, wird, wie früher und heute auch in buddhistischen Klöstern, eine praktische Arbeit von 1-2 Stunden in den Tagesablauf eingebaut:
Gemüse rüsten, WCs putzen, Staubsaugen, Gartenarbeit etc.
Das ist eine Erweiterung der Meditationspraxis. Dabei steht das äussere Ergebnis der Arbeit oder die Geschwindigkeit der Ausführung nicht im Mittelpunkt, sondern die Hingabe an die jeweilige Tätigkeit in voller Präsenz und Achtsamkeit. Samu wird so zur Zen-Übung, in der das Alltägliche zum Erwachen, zu einer plötzlichen Erkenntnis, führen kann.
Die Frage ist also nicht, was habe ich alles noch zu tun, was muss ich noch erledigen — Wohnung räumen, ins Fitness gehen, einen jährlich wiederkehrenden Fragebogen zu meiner beruflichen Tätigkeit ausfüllen und, und, und — und abends: was kann abgehakt werden?
Sondern: Wie tue ich die alltäglichen Dinge, die getan werden müssen?
Wo ist mein Samu?
Montags Impuls 05.01.2026
Danke dem Kommenden
Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen.
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein.
Und nehm‘ ich den in acht,
so ist der mein,
der Jahr und Ewigkeit gemacht.
Andreas Gryphius (1616 – 1664), deutscher Dramatiker und Lyriker
Mein ist der Augenblick, diesen können wir achten, jetzt, früher, vor vielen, vielen Jahren … und immer wieder neu.
Ja zum Vergangenen
Montags Impuls 29.12.2025
Danke dem Vergangenen
Was war dieses Jahr? — Viel, sehr viel wohl bei den meisten von uns. Wir können in diesen Tagen die Fotos und Filme von 2025 ansehen, wir können bewusst nochmal unsere Tagebuchnotizen lesen … lauter Dokumente, die unserem Gedächtnis nachhelfen. Das war ja auch erst in diesem Jahr!
Danke, als eine Form des Annehmens.
Was wird nächstes Jahr sein? Da ist das Dokumentieren schon schwieriger. Wir können über Neujahr Wachs oder Zinn giessen. Wir können für die Welt in die Kristallkugel blicken lassen. Wir können Hoffnungen haben, dass etwas eintrifft oder nicht eintrifft. — Pläne? Ja, in aller Offenheit, dass es vielleicht anders kommt. Kein seichtes `es chunnt scho guet` oder `es chunnt, wie`s muess`. Tiefer verstanden sind diese Formulierungen gewürzt mit Akzeptanz:
Ja zum Kommenden
Montags Impuls 22.12.2025
Die leere Krippe
(Hier ist Platz für Deine eigenen Worte)
Fried- und freudvolle Festtage uns allen
Montags Impuls 15.12.2025
Gaudete!
So wird der 3. Adventssonntag in der katholischen Kirche genannt … freut Euch, bald wird der Retter geboren … und als Zeichen dafür, dass dieser Sonntag ein anderer ist, gibt es den Brauch, die dritte der roten Adventskranzkerzen in rosa zu halten.
Unter der aktuellen Mittellandnebeldecke oder im Flutlicht zwischen dem Zürcher HB und dem Opernhausplatz, das sich Weihnachtsbeleuchtung nennt, und in dem sich – es ist Samstag Abend — die wogende Menge, Kopf an Kopf bewegt, ich selbst einer unter diesen Köpfen, ist dieser Befehl nicht ganz einfach zu befolgen.
Ist es ein Befehl? Eine Aufforderung? Eine Erinnerung? Eine Ermunterung?
Schon in der Bibel finden wir immer wieder das `Freut euch`, `Freue dich`.
Also gehört es wohl zu uns Menschen, dass uns die Freude leicht abhandenkommt?
Freut Euch!
Wo Zen und christliche Mystik sich begegnen. Der leere Kreis: Zen-Symbol für Weite und Offenheit
Das Kreuz: Symbol unserer christlichen Wurzeln

Ausrichtung der Kräfte
Eins mit Dir
Urgrund allen Lebens,
diene ich der Menschheit,
der Erde und dem Kosmos.
Mit liebendem Herzen
setze ich mich ein
für Gerechtigkeit und Frieden in mir,
in meinen Beziehungen und in der Welt
und achte alle Dimensionen der Schöpfung.
Zum Wohle leidender Wesen
in Armut, Gewalt und Schmerz
verkörpere ich Mitgefühl
und traue der göttlichen Weisheit in mir.
Achtsam lebe ich
Ergänzung und partnerschaftliches Miteinander
von Menschen aller Geschlechter,
Religionen und Kulturen,
Technik und Natur.
Ich bin bereit,
in Verantwortung für kommende Generationen
den Weg des Erwachens zu gehen,
Glück und Mühsal des Wachsens anzunehmen
und wahrhaft liebend zu werden.
Göttlicher Urgrund,
lass mich erfahren,
dass Dein ICH BIN
mein ICH BIN ist.
Ethikcodex der via integralis
1. Nicht tötend …
lebe ich im Einklang mit allem Leben. Die Haltung des Nicht-Tötens und Nicht-Schadens nehme ich in differenzierter Weise in allen meinen Handlungen ernst.
2. Nicht stehlend …
verpflichte ich mich, nichts zu nehmen, was mir nicht gehört, den Besitz anderer zu respektieren und im Umgang mit Geld aufrichtig zu sein.
3. Sexuelles Fehlverhalten meidend …
verpflichte ich mich, niemandem durch Sexualität zu schaden. Alle Lehrenden verpflichten sich, ihre Autorität und Position nicht für sexuelle Beziehungen auszunützen. Sexuelle Beziehungen sind mit einem Lehrer/in-Schüler/in-Verhältnis nicht vereinbar.
4. Nicht lügend …
bewahre ich eine transparente und ehrliche Haltung gegenüber Schüler/innen, Kursteilnehmenden und Lehrenden. Grenzen in der Begleitung anderer Menschen gestehe ich mir ein und spreche Belastungen in Beziehungen an. Wir fördern und fordern uns gegenseitig in mitfühlender und respektvoller Weise.
5. Einen klaren Geist fördernd und Drogen meidend …
pflege ich einen verantwortungsvollen Umgang mit jeglicher Art von Dingen und Aktivitäten. Dazu gehören nebst dem Umgang mit Zeit, Medien, Konsum, Besitz und Beziehungen auch der Umgang mit Drogen, Alkohol und Tabak.
6. Nicht über Fehler anderer lästernd …
verpflichte ich mich, die Würde der Einzelnen zu respektieren, indem ich ihrer Einzigartigkeit Rechnung trage. Was ich als Fehler betrachte, ist meine Sichtweise und damit relativ. Wenn Entscheidungen gefällt werden müssen, handle ich aus der inneren Mitte und trage die Verantwortung für meine Handlungen.
7. Auf Eigenlob verzichtend und andere nicht verunglimpfend …
stehe ich offen für meine Überzeugungen ein, ohne die Einschätzung anderer geringzuachten. Ich respektiere die Ebenbürtigkeit aller Menschen und anerkenne, dass jede und jeder nach seinen besten Fähigkeiten handelt. Ich fördere das Potential aller Menschen.
8. Überfluss nicht eigenmächtig zurückhaltend …
bin ich mir bewusst, dass der Kreislauf des Lebens auf Geben und Nehmen basiert. Ich habe die Sorge für den natürlichen Reichtum der Schöpfung und für die Verteilung der Güter im Blick. Ich lebe nach Massgabe der Möglichkeiten grosszügig aus meiner Mitte und tue alles, was der Gerechtigkeit, der Solidarität in der Gesellschaft, dem Frieden und der Bewahrung der Schöpfung dient.
9. Gefühle von Wut regulierend …
bin ich mir bewusst, dass Wut ein starker Ausdruck von Energie und Wissen ist und ein Potential für Veränderung und Erneuerung darstellen kann. Ich bemühe mich um einen konstruktiven Umgang mit dieser Kraft und vermeide es, andere zu verletzen oder ihnen zu schaden. Ich praktiziere Mitgefühl allem Leben gegenüber und orientiere mich an der goldenen Regel, niemandem zuzufügen, was ich nicht selber erleben möchte.
10. Nicht über die Schätze unserer Traditionen lästernd …
würdige und ehre ich die Schlüsselfiguren, die Traditionen und die Gemeinschaften, in welchen ich verankert bin oder zu denen ich durch die Begleitung von Kontemplierenden in Beziehung stehe. Ich biete anderen Traditionen meinen Respekt und Schutz vor Verunglimpfung an.
Ich verstehe die zehnte Richtlinie als eine Zusammenfassung der neun vorhergehenden Richtlinien und als eindringlichen Wegweiser für mein Handeln.
11. Sorgfältig mit dem mir Anvertrauten umgehend …
halte ich die Schweigepflicht ein. Alles, was ausgesprochen wurde, behandle ich vertraulich.
10 Tipps zur Sitzmeditation
1. Nehmen Sie sich täglich 15-25 Minuten Zeit dafür.
2. Wählen Sie dazu einen ruhigen Ort im Haus, in der Wohnung, den Sie so beibehalten. Ein Kissen, ein Bänkli oder ein Stuhl, eine Matte, eine leere Wand.
3. Regelmässigkeit ist wichtig. Die Wiederholung macht uns das Ueben zur Gewohnheit. Körper und Geist lernen durch die eingenommene Haltung: ah, jetzt ist die Zeit der Ruhe gekommen.
4. Der Morgen vor dem Frühstück erweist sich allgemein als günstig. Handy beiseite legen. Kein Telefon abnehmen in dieser Zeit. Wir üben die Gegenwärtigkeit,
5. Geduld: die Uebung wird unseren Alltag verändern. Transformation geschieht.
6. Im Körper zeigen sich anfangs Verspannungen, Schmerzen, oder wir beginnen, diese überhaupt wahrzunehmen. Wir beginnen, ein „Gspüri“ für unseren Körper zu entwickeln.
7. Es können verschiedene Gefühle auftreten, uns auch überschwemmen, oder wir machen spezielle Erfahrungen. Ein/e erfahrene/r Lehrer/in kann da anleiten und begleiten.
8. Wir können allein üben, sitzen – in der Gemeinschaft wird die Meditationskraft stärker. Das Sitzen wird zu einem Gemeinschaftserlebnis und trägt uns.
9. Es kann zu Einbrüchen bezüglich Motivation kommen. Manchmal haben wir es mit einer momentan unangenehmen Wirklichkeit zu tun. Da können der Wille dran zu bleiben, gute Lektüre
und die Gruppe helfen.
10. Und last but not least: der Transfer in den Alltag. Nicht auf dem Kissen stecken bleiben. Wie setze ich
meine Erfahrung, meine Erkenntnisse in die Praxis um?
Es gibt zudem jeden Tag immer wieder Gelegenheiten – beim Warten, bei der Kaffeepause oder beim kurzen Innehalten, bevor wir einen Anruf entgegennehmen – uns zu zentrieren und zu uns selbst zurückzukehren.
(01.11.2021 in Bearbeitung)